Motorola und Salvator

Motorola-Salvator

Motorola und die Salvatorschule
Eine Partnerschaft zwischen einem Industrieunternehmen und einer Oberschule
W.-G. Blümich, T. Lauff

Motorola Berlin - Am Borsigturm
Salvatorschule Berlin - Waidmannslust

Die Idee

Von ihrer Idee zu dieser Partnerschaft hatte uns die Reinickendorfer Bezirksbürgermeisterin Frau Marlies Wanjura schon vor längerem erzählt.

Wie soll denn eine Schule (Gymnasium und Realschule) mit einem modernen, hochtechnisierten Industriebetrieb zusammenarbeiten? Die Interessen und Organisationsformen sind doch völlig unterschiedlich! Und doch haben sie ja irgend etwas miteinander zu tun: Die Schülerinnen und Schüler sollen in der Schule für's Leben ausgebildet werden. Und das kann ja auch in die Industrie führen.

Erste Schritte

Mit sehr vagen Vorstellungen gingen wir im Januar 2001 mit einer dreiköpfigen Schuldelegation zusammen mit Frau Wanjura zu unserem ersten Treffen zu Motorola. Nun sollte die Idee in die Tat umgesetzt werden.

Beeindruckend war schon das neue Firmengebäude auf dem Gelände der ehemaligen Borsigwerke in Tegel. Herr Aharon Mirsky, Director SCOG EMEA, begrüßte uns persönlich auf Englisch, wie es wohl die Geschäftssprache bei Motorola ist. Nach kurzer Zeit ging es jedoch mit seinen Mitarbeitern auf Deutsch weiter. Eine kleine Führung durch die Fabrikationsräume zeigte uns in einer großen Halle, die in Abschnitte für verschiedene Projekte und Aufgabenbereiche eingeteilt war, wie die Module für Kommunikationseinrichtungen zusammengefügt und erprobt werden.

Wir hatten uns ausgehend von der vorwiegend technischen Ausrichtung unseres neuen Partners mögliche Formen der Zusammenarbeit zurechtgelegt, die allerdings alle mehr oder weniger davon ausgingen, dass wir etwas wollten: Schüler lernen Industriebetrieb im Praktikum kennen, Schüler interviewen Mitarbeiter auf Englisch, Lehrer lernen die Firma kennen, Mitarbeiter der Firma lernen die Schule kennen, der Informatikbereich der Schule erfährt kompetente Unterstützung, Mitarbeiter der Firma kommen zu bestimmten Themen in den Unterricht usw. Auch für Motorola war das Vorhaben Neuland: Große finanzielle und Materielle Unterstützung war nicht möglich, weil auch dieser Betrieb mit jedem Cent rechnen muss. Das Interesse und die Bereitschaft, eine Zusammenarbeit mit kleinen Schritten zu versuchen, waren jedoch auf beiden Seiten groß.

Bei einem Folgetreffen wurden die ersten konkreten Vorhaben angesprochen: eine Informationsveranstaltung für die Schulabgänger der Realschule und des Gymnasiums mit Motorola-Mitarbeitern in der Schule, eine Gesamtkonferenz des Lehrerkollegiums bei Motorola, ein Treffen mit Motorola-Mitarbeitern und Lehrern, die mögliche Zusammenarbeit im Unterricht (z.B. Sozialkunde, Englisch, Informatik) absprechen und anderes mehr. Praktikantenplätze für Schüler in der Firma sind allerdings nur schwer realisierbar, weil Schüler in die fein strukturierten Arbeitsabläufe nicht integriert werden können und ein Anlernen für die kurze Praktikumszeit nicht wirtschaftlich ist. Gemeinsam war es uns wichtig, keine unrealistischen Vorzeigeveranstaltungen, sondern kleine, effektiven Projekten zu entwerfen.

Konkrete Zusammenarbeit

Informationen für Schulabgänger
Die erste gemeinsame Veranstaltung für die Schülerinnen und Schüler des Abiturjahrganges war ein voller Erfolg. Nach einer Führung der Motorolaner durch die Schule wurden etwa 40 Schülerinnen und Schüler in einer Computerpräsentation über die weltweite Tätigkeit von Motorola informiert. Danach war dann Gelegenheit, in kleinen Gruppen mit den sieben Mitarbeitern von Motorola einzeln zu sprechen und sich über Ausbildung, beruflichen Werdegang, aktuelleTätigkeit und Entwicklungsmöglichkeiten zu informieren. Zum Schluss traf dann noch eine Lehrerrunde dazu und es wurden weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit erkundet. Die Schülerinnen und Schüler schätzten die Offenheit und Unkompliziertheit dieses Informationsaustausches. Eine Folge dieses Treffens war, dass sich Schüler privat weiter über mögliche Tätigkeiten bei der Firma interessierten. Was wollen wir mehr! Diese Informationsveranstaltungen sollen nun jährlich stattfinden.

Eine Gesamtkonferenz bei Motorola
Informiert werden sollte nun auch das Kollegium der Schule. Motorola lud deshalb die Lehrerinnen und Lehrer zu sich ein, und es wurde beschlossen, die nächste Gesamtkonferenz im Firmengebäude stattfinden zu lassen. Das Kollegium, die Elternvertreter und die Schülersprecher der Salvatorschule folgten am 2. Oktober 2001 der Einladung. Zweifelsohne standen diverse Kolleginnen und Kollegen diesem Treffen erst einmal recht skeptisch gegenüber. Fragen wie "Welche Interessen hat eine Firma an einer Zusammenarbeit mit einer Schule?" oder "Begeben wir uns wohlmöglich in eine Abhängigkeit mit einer solchen Firmenpartnerschaft?" bewegten sie heftig. Nach einem herzlichen Empfang und der Begrüßung wurde den Teilnehmern der Gesamtkonferenz die Geschichte des High-Tech-Unternehmens in einem Vortrag präsentiert: Der beeindruckenden Darstellung der "Meilensteine" des Werkes folgten ein Rundgang durch die Produktionshalle und eine abschließende Diskussion mit den leitenden Mitarbeitern und dem Betriebsratsvorsitzenden des Unternehmens. Dem Kollegium, den Elternvertretern und Schülersprechern wurde deutlich das Anliegen dieses Unternehmens vor Augen geführt: Motorola geht es um zukunftsweisende Technologie, deren Schwerpunkt auf der Verschmelzung verschiedener Medien wie drahtloser Kommunikation, Breitbandkommunikation und Internet liegt. Dieser Besuch bei Motorola führte dazu, dass sich das Kollegium mit der Möglichkeit einer Zusammenarbeit trotz anfänglicher Skepsis anfreundete, erste persönliche Kontakte mit den leitenden Mitarbeitern knüpfen und nun noch intensiver darüber nachdenken konnte, welche gemeinsamen Projekte zwischen Motorola und der Schule sinnvoll wären. Zwei konkrete Aktivitäten folgten bald: das Basketball- und das Kunstprojekt.

Motorola sponsert die Basketball-Mädchenmannschaft
Die freundliche Atmosphäre bei der Gesamtkonferenz schien geeignet, gegen Ende einfach jemanden aus der Führungsetage anzusprechen und erst einmal rein informativ nach Möglichkeiten eines Sponsoring unserer Basketball-Spieler zu fragen. Das Anliegen wurde sofort durchschaut. Aber statt höflich ausweichender und vertröstender Worte wurde sofort erwidert, dass ein Sponsoring neuer Spieler-Shirts ein sehr netter Anfang sei. Wenige Tage danach suchten Frau Kerstin Asmussen von Motorola und der Mannschaftstrainer Herr Klaus von Poblotzki gemeinsam die Farbe der Shirts aus und legten den Aufdruck fest. Rechtzeitig zur Fahrt ins Trainingslager nach Schierke erhielten wir die fertigen Trikots und konnten sie im Rahmen eines Freundschaftsspiel in Osterwiek schon einmal einsetzen. Für die Basketballerinnen ist dies eine große Anerkennung für ihre Leistungen der letzten Jahre und ein Ansporn für die Zukunft.

Das Kunstprojekt
Während des Besuchs bei Motorola erwachte bei zwei Kunstlehrern die Lust, an repräsentativen Orten des Gebäudes Werke der Schülerinnen und Schüler, die im Kunstunterricht entstanden waren, auszustellen. Dieses Vorhaben wird zur Zeit gerade umgesetzt. Bei einer Architektur-Ausstellung im Februar 2002 in der Schule, bei der Werke der Schülerinnen und Schüler präsentiert wurden, besuchte Herr Günther Petri von Motorola die Eröffnungsfeier, um mit den Kunstlehrern ins Gespräch zu kommen. Daraus entwickelten sich bald konkrete Vorstellungen. Angedacht wurde, dass ein Kunst-Kurs im Rahmen eines Unterrichtsprojektes für die Räume des Betriebs Kunstwerke herstellt zu einem Thema, das das Anliegen des Betriebs deutlich macht und ästhetisch-künstlerisch zum Ausdruck bringt.

Der Sammeldrache frisst Patronen und spuckt Drucker aus
Die Salvatorschule wird sich ab April an der Aktion "Sammeldrache" beteiligen. Dabei geht es darum, leere Druckerpatronen und Kartuschen von Kopiergeräten zu sammeln und zur Wiederverwendung abzugeben. Für jede leere Patrone gibt es sogenannte GUPs (grüne Umweltpunkte), die gegen neue Drucker und Computer oder auch gegen Software eingetauscht werden können. Diese Aktion ist eine Initiative der "Stiftung Lesen" und steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. Erreicht werden soll damit zum einen, Schüler für die Probleme der Umwelt zu sensibilisieren, zum anderen soll gezeigt werden, dass Umweltschutz auch eine lohnende Sache kann.

Umweltschutz spielt auch für Motorola eine große Rolle. Nicht der Verkauf eines Gerätes an den Kunden, sondern die umweltgerechte Zurücknahme und Entsorgung gilt bei der Produktionsplanung als Schlusspunkt der Planung. Motorola verfügt dazu über ein eigenes Forschungsinstitut. Mit Hilfe von Recyclingunternehmen soll ein Wertstoff-Kreislauf entstehen, der Ressourcen schont, Müllberge vermeidet und Energie spart. Auf dieser Basis kam Motorola unsere Anfrage sehr gelegen, ob sie uns mit ihren leeren Kartuschen zu vielen GUPs verhelfen wollen. Die ersten zwei Behälter mit leeren Patronen konnten bereits an die Schule übergeben werden. Der Umweltbeauftragte von Motorola regte in diesem Zusammenhang an, ein gemeinsames Projekt ins Auge zu fassen.

"Teaming for Excellence"
Unter diesem Stichwort findet weltweit in allen Motorola-Betrieben regelmäßig ein Wettbewerb statt, in dessen Rahmen sich von Motorola zusammengestellte Projektteams monatelang damit beschäftigen, für genau eingegrenzte Probleme etwa bei Verwaltung und Dokumentation der Konfigurationsdaten, bei bestimmten Produktionsabläufen oder bei der Lagerhaltung Lösungen zu erarbeiten, um doppelte Wege oder überflüssige Arbeitszeiten zu vermeiden. Einmal im Jahr gibt es dann den großen Präsentationstag, an dem die Projektteams ihre Ergebnisse vor der gesamten Belegschaft vorstellen. Wer diesen prestigeträchtigen Wettbewerb gewinnt, darüber stimmt zur Hälfte die gesamte Belegschaft und zur anderen Hälfte eine von der Betriebsleitung eingesetzte Jury ab, der auch unser Informatik-Fachleiter, Herr Behnke, in diesem Jahr angehören durfte.

An der Präsentation 2002 konnte auch der Informatikkurs der Salvatorschule aus dem Abiturjahrgang teilnehmen, und das nicht nur als einfache Zuschauer. Die Schüler konnten im Rahmen der Präsentation die einzelnen Teams ausführlich befragen und dann zusammen mit den Belegschaftsmitgliedern ihre Stimme abgeben. Sie zeigten sich beeindruckt von der Konsequenz, mit der hier an der Verbesserung der Effektivität gearbeitet wurde. "So etwas sollte es auch einmal für den Öffentlichen Dienst geben", schlug ein Schüler vor. Auffallend auch, dass bei 7 von 8 Projektgruppen der Computer und die Datenverfügbarkeit über Internet eine zentrale Rolle spielten. Das Wichtigste aber dürfte gewesen sein, dass die Schüler erfahren haben, woran bei Motorola konkret gearbeitet wird.

Besiegelung einer Partnerschaft

Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde im Standesamt Reinickendorf
Marlies Wanjura, Bezirksbürgermeisterin Reinickendorf
Rolf Pein, General Manager Motorola Berlin   
Terezija Lauff, Schulleiterin Salvator (OS)
Vertreterinnen der Basketballmannschaften

Nach diesen ersten gemeinsamen Aktivitäten haben die Firma Motorola und die Salvatorschule diese Partnerschaft nun am 11. März 2002 auch urkundlich verbürgt. Unsere Bezirksbürgermeisterin Frau Marlies Wanjura lud zur Urkundenunterzeichnung ins Reinickendorfer Rathaus ein. Im Trauzimmer des Standesamtes, dem sogenannten Witte-Raum und auch dem schönsten Raum des Gebäudes, unterzeichneten der General-Manager Herr Rolf Pein und die Schulleiterin der Oberschule Frau Terezija Lauff die Partnerschaftsurkunde und trugen sich in das Gästebuch des Bezirkes Reinickendorf von Berlin ein. Sechs Mädchen der Basketballmannschaft und ihr Trainer umrahmten den festlichen Anlass mit heiterer Stimmung und nutzten den Anlass dazu, Motorola für ihre Sponsorenaktivität herzlich zu danken.

 

Dank und Ausblick

Ein besonderer Dank geht auch an die Bezirksbürgermeisterin Marlies Wanjura, die als Ideenträgerin dieser Partnerschaft der Salvatorschule neue Wege eröffnet hat. Während am Anfang der Begegnung zwischen Motorola und der Salvatorschule noch die bange Frage stand, ob eine Zusammenarbeit bei zwei so unterschiedlichen Partnern überhaupt denkbar sei, sind wir erstaunt, wie groß das Spektrum der Möglichkeiten von gemeinsamen Aktivitäten zwischen Motorola und der Salvatorschule ist. Unseren Dank möchten wir auch der Firma Motorola aussprechen, die uns als Schule ernst nimmt und unseren Anliegen und Ideen stets interessiert und aufgeschlossen gegenübersteht.


 04/2002