Amateurfunk-AG

der Salvatorschule in Berlin

in Zusammenarbeit mit dem DARC OV Reinickendorf D04

und der Jugendgruppe des Distriktes Berlin

 

Eine Idee entwickelt sich.

 

Monatliche OV-Versammlung in Reinickendorf D04: es treffen sich so um die 15 bis 25 OMs im Hinterzimmer des Budde-Ecks, einer kleinen Kneipe in Berlin-Tegel. Viele sind von der Jugendgruppe dabei. Die Jugendgruppe war einmal die tragendes Säule des OV - vor 30 Jahren im Fuchsbau, einer Jugendfreizeitstätte im Bezirk. Heute sind alle 30 Jahre älter und echte Jugendliche sind nicht dabei - in der Kneipe -  die gehören da ja auch gar nicht hin! Es gibt einen interessanten technischen Vortrag, die QSL-Karten werden ausgetauscht, man diskutiert über den ewig nicht funktionierenden Digipeater und regt sich über das auf, was im Distrikt nicht funktioniert, trinkt hier ein Bierchen, isst da eine Wurst mit Salat, klagt über die noch nicht abgegebene Selbsterklärung usw. Nach anderthalb Stunden macht sich einer nach dem anderen aus dem Staub.

 

Nach vielen Jahren durch Familie und Beruf bedingter Amateurfunkabstinenz bot sich dieses Bild meines OVs. Wo ist die heutige Jugend?! Ein Angebot von dieser Qualität lockt wohl keinen Jugendlichen von Computer oder Fernseher weg. Wenn das so weiter geht, dann Amateurfunk ade! Doch dazu ist mir mein Hobby zu wertvoll. Überall wird über mangelnden Ingenieursnachwuchs und das Desinteresse der Jugendlichen geklagt und hier wird eine Chance verschlafen.

 

Das war der Impuls für die Einrichtung einer Amateurfunk-AG an meiner Schule, für die sich mir als Physiklehrer beste Voraussetzungen boten. Es musste nur alles langfristig und sorgfältig vorbereitet werden: die Nutzung der Räume, der persönliche Stundenplan, die Zusammenarbeit mit dem Ortsverband und der Jugendgruppe des Distriktes, das Lehrgangskonzept, die Materialbeschaffung und -finanzierung und die Werbung um die Teilnehmer.

 

Kaum hatte ich die Idee im Winter 2001/2002 im OV geäußert, schien es als ob einige eigentlich nur darauf gewartet hätten mitzumachen. Auch in der Schule stieß ich auf Wohlwollen, denn die Zusammenarbeit zwischen Schule und Verbänden wird künftig eine immer stärkere Rolle spielen, da man bei der sich abzeichnenden Entwicklung der Halbtagsschulen zu Ganztagsschulen mit sinnvollen Freizeitangeboten nicht nur mit Lehrern auskommen wird.

 

So wurden die Organisationsformen und Ziele der Unternehmung in kleinen Schritten  deutlicher:


Datum

Themen

14.09.2002

Sommerfest der Schule: Amateurfunkstand (10.00 – 14.00 Uhr)

01.10.2002

Begrüßung, Fragebogen zur Person, Lernstrategien, Kennerlernen untereinander, Buchstabieralphabet 

22.10.2002

Strom und Spannung,  Wechselspannung, Afu-Betrieb (Theorie und Praxis), VO-Funk, Q-Gruppen

29.10.2002

Landeskenner und Rufzeichen, Test 2, Antennentechnik , CEPT

05.11.2002

Wellenausbreitung, Funkamateure aus dem OV Reinickendorf des DARC stellen sich vor,  Verteilung der Funkpatenschaften

12.11.2002

RST-System, Test 3. Widerstand, Arbeit und Leistung, Amateurfunkgesetz

19.11.2002

Widerstände, Afu-Betrieb, Serien- und Parallelschaltung von Widerständen

26.11.2002

Abkürzungen und Frequenzen, Test 4, Amateurfunkverordnung, Kondensator

03.12.2002

Bastelabend mit Funkpaten: Blinkschaltung

10.12.2002

Spule und Transformator, Test 5, Packet-Radio (Theorie und Praxis)

17.12.2002

Schwingkreise und Filter, Dezibel (Theroie und Anwendung), Frequenzen

07.01.2003

Stationstagebuch, Test 6 (incl. Spule), SWR und Stecker, Bauteile, TKG und EMVG

14.01.2003

Bastelabend mit Funkpaten: 40m-RX (Teil 1)

21.01.2003

Modulation, Test 7, Funkpraxis (mit Funkpaten)

28.01.2003

Bastelabend mit Funkpaten: 40m-RX (Teil 2)

11.02.2003

Sender, Empfänger und Konverter, EMVU und Sonstiges, Afu-Betrieb: SSTV

18.02.2003

Messgeräte, Test 8, EMV und Blitzschutz

25.02.2003

Test 9, Wiederholungen und Klärung von Fragen (mit Funkpaten), Prüfungsmeldungen

04.03.2002

DE-Prüfung (Technik, Betrieb, Gesetze)

11.03.2001

Test 10, Frei für Themen nach Wunsch

18.03.2003

Prüfungssimulation

25.03.2003

Prüfungssimulation

01.04.2003

Prüfung bei der RegTP

Terminplan für die Amateurfunk-AG

 

Die Planung

 

Im Frühjahr 2002 beschäftigte ich mich mit dem Konzept. Als Grundlage schien mir das Buch "Amateurfunklehrgang - Klasse 3" von OM Moltrecht (DJ4UF)  (1) am geeignetsten. Auf diesem Buch baut auch der vom OV Hunsrück K28 veröffentlichte Crash-Kurs (2) zur Lizenzklasse 3 auf. In einer Arbeitsgemeinschaft kann man sich jedoch nicht nur auf das Auswendiglernen der richtigen Antworten aus dem Prüfungsfragenkatalog der RegTP beschränken und dazu noch auf einige Erklärungen in einem Buch verweisen, was dann in 10 Doppelstunden incl. Prüfungssimulationen möglich sein kann. Abhängig von der Vorbildung der Lehrgangsteilnehmer sollte auch für Achtklässler in der AG ein minimales Verständnis für den Lernstoff erreicht werden. Außerdem sollten Amateurfunkpraxis, Basteln und Lernmethoden mit Lerngegenstand sein. Daraus entstand dann in Zusammenarbeit mit Thomas (DH7TNO) von der Jugendgruppe des DARC Distriktes Berlin ein Zeitplan. Grundlage war der K28-Lehrgang, der aber auf etwa die doppelte Zeit gestreckt und mit praktischen Themen wie Basteln und Amateurfunkpraxis angereichert wurde. Bei den praktischen Themen sollten auch die Funkpaten mit dabei sein.

 

Nun konnte es an die Werbung der Teilnehmer für die AG an der Schule und im OV gehen. Es wurden Plakate aufgehängt und Handzettel verteilt. Recht schnell zeigte es sich, dass wir mehr als 20 Interessenten haben würden - eigentlich zu viele für eine individuelle Betreuung. Mitte September wurden bei der Vorstellung des Amateurfunks auf dem Schulfest auch noch die letzten überzeugt, so dass wir mit 23 Meldungen (davon 17 von der eigenen Schule von der 6. bis zur 13. Klasse, darunter 3 Mädchen aus der 8. Klasse) Anfang Oktober an den Start gehen konnten.

 

Vorher mussten allerdings noch die Themen im Zeitplan an möglichst viele Referenten vergeben werden. Dazu erklärten sich neben mir Wolf (DL7PF) noch Sascha (DH6TJ), Thomas(DH7TNO), Christian (DJ7JR), Rolf (DK7IN), Manfred (DL7JM) und Bodo (DL7BJK) bereit. Da ich nach jahrelanger Amateurfunkpause nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Amateurfunktechnik war, konnte ich auf diese Weise auch gleich selber etwas dazulernen – wie praktisch.

 

Der Lehrgang

 

Der Ablauf des Lehrgangs wurde im Internet dokumentiert: http://www.kss-afuag.de.vu.  Einerseits konnten die Teilnehmer dort den Gesamtplan des Lehrgangs (Abb. 1) und aktuelle Hinweise zu den bevorstehenden Treffen finden. Neben Tipps zur Vor- und Nachbereitung des Lehrgangs­stoffs gab es immer Links zu den aktuellen Kapiteln des Online-Lehrgangs von DJ4UF und zu den Tests des OV K28, mit denen der Lernzuwachs regelmäßig überprüft werden sollte. Andererseits wurde immer kurz über die Kursabende berichtet. Außerdem konnten die Mitglieder des OVs dort finden, wann ihre Aktivitäten beim Basteln oder Funkbetrieb gefragt waren. Zu besonderen Anlässen wurden auch E-Mails als Rundbrief an die Kursteilnehmer, Referenten und Funkpaten verschickt.

 

Am Anfang war die Begeisterung sehr groß. Zu den Gebieten Betriebstechnik und Gesetze wurde gelernt. Die Idee, sich im Laufe des Lehrgangs eine Lernkartei selbst aufzubauen, wurde anfangs aufgenommen, verlief aber dann im Sande. Auch die vom OV K28 übernommenen Zwischentest bei jedem zweiten Treffen wurden im Laufe der Zeit immer weniger ernst genommen, als es sich die Kursgestalter vorgestellt hatten. Für diejenigen, die es schafften mit persönlichem Einsatz am Stoff des Technik-Lehrgangs zu bleiben, waren dann die Prüfungsfragen kein großes Problem mehr. Bei vielen Schülern zeigte sich jedoch das typische Lernverhalten: wir genießen die Zeit vor der Prüfung möglichst lange und legen dann kurz davor eine kräftige Lernphase ein.

 

Bei den praktischen Themen wurde es dann wieder lebendiger. Das erste kleine Projekt mit dem Lötkolben war eine Blinkschaltung mit Leuchtdioden (4). Für das Zweite war der Aufwand dann schon erheblich größer: Peter (DL2FI) stellte uns Bausätze für 40m-Direktüberlagerungsempfänger (6) zusammen und half dann auch beim Aufbau und Abgleich. Die Platinen mussten im OV von Hans (DL7VK) und Manfred (DL7JM) hergestellt werden. Beim Basteln waren immer die Funkpaten mit dabei, die selber auch etwas davon hatten. Alle Geräte funktionierten zum Schluss auch.

 

Da es in der Schule (noch) keine fest installierte Amateurfunkstation gibt, mussten für die Amateurfunkpraxis immer Geräte und Antenne mitgebracht und aufgebaut werden. Dann konnte mit mehreren Ausbildungsrufzeichen Betrieb auf den KW- und UKW-Bändern gemacht werden: Sprechfunk, Bild- und Datenübertragung. Das anfängliche Zögern war bald überwunden. Meistens standen Funkpartner aus dem OV zur Verfügung, die recht einfühlsam in die Funkpraxis einwiesen.

 

Neben dem Lehrgang gab es aber noch weitere Aktivitäten für die Teilnehmer: Sascha (DH6TJ) und Thomas (DH7TNO) nahmen etliche Jugendliche im Januar mit zum Cids-Day zur Clubstation DK0JR der Jugendgruppe des Distriktes Berlin in das Oberstufenzentrum Energietechnik (5). Und im Februar war Wolf (DL7PF) mit einer Gruppe bei den Berliner Amateurfunktagen im FEZ in der Wulheide, wo Morseübungsgeräte gebastelt wurden.

 

Trotz aller Bemühungen sprangen einige aus dem Lehrgang ab. Sie hatten den zeitlichen Aufwand unterschätzt bzw. zeitliche Kollisionen mit anderen Interessen. Zur Halbzeit waren noch 16 Teilnehmer dabei. Teilweise waren wir danach auch nur 10. Trotzdem meldeten sich 14 zur Prüfung, wovon dann 12 bestanden und die beiden anderen gleich die Meldung zur Nachprüfung abgaben – eigentlich ein tolles Ergebnis!

 

Drei Tage nach der bestandenen Prüfung hatten alle bereits ihre Rufzeichenzuteilungen und viele fuhren mit der Jugendgruppe des Distriktes in die Jugendherberge „Alte Schule“ nach Jessern, um übers Wochenende gemeinsam zu funken, zu basteln und „Füchse“ zu jagen. (7)

 

Was haben wir gelernt?

 

Bei unserem Abschlussgespräch über den Lehrgang wurden Positives und Kritik gesammelt, um damit die weitere Arbeit der AG und die Lehrgänge gestalten zu können.

Die Teilnehmer bewerteten positiv:

Anregungen zur Verbesserung:


v.l.n.r.: Felix, Andreas (DO8KA), Lars (DO1LAW), Jakob (DO5FNR), Lukas D. (DO7LD), Jeffrey (DO7JEF), Lukas W. (DO2LUK), Matthias (DO5HDE), Hendrik (DO1HMR), Lisa (DO5LMM), Sophie (DO5VAM), Julia (DO2JUA), Florian, Dietmar (DO1LD), Wolf (DL7PF)

Die Lehrgangsleiter und Referenten haben das Projekt gerne betreut und selber bei der Durchführung Erfahrungen gesammelt, die nun bei der Fortsetzung ausgewertet und berücksichtigt werden müssen. Sie decken sich mit den Meinungen der Kursteilnehmer und sind auch schon oben beschrieben.

 

Wie geht es weiter?

 

Es zeigte sich, dass sich die meisten mit der erreichten DO-Lizenz nicht zufrieden geben. Sie wollten nicht nur schnell mal eine Funklizenz haben, sondern zeigen echtes Interesse an der Technik und den Aktivitäten der Amateurfunkgruppe. Deshalb müssen wir unser Angebot ausbauen. Nach den Sommerferien soll zum einen für die jetzt frisch Lizenzierten eine Fortbildung zur Amateurfunkprüfung der Klassen 2 und 1 eingerichtet werden. Bei einem neuen Lehrgang zur Klasse 3, der im Herbst beginnen soll, werden auch einige unserer neuen DO-Lizenzierten gleich als Referenten mitmachen.

 

Hat sich etwas bewegt?

 

Oh ja!

Ich glaube, wir sind da auf einem guten Weg.

Wolf, DL7PF

 

Quellen

(1)     E. Moltrecht, DJ4UF , "Amateurfunklehrgang für das Amateurfunkzeugnis Klasse 3", vth-Verlag Baden-Baden, 2. Auflage 2002. und http://www.qsl.net/dj4uf/

(2)     W. Leibauer (DL3PK) und H. Kaspar DJ6WC, „Amateurfunkkurs jetzt – Ein Leitfaden für Kursleiter“, OV Hunsrück K28 im DARC

(3)     "Prüfungsfragen für die Prüfung zum Amateurfunkzeugnis Klasse 3" als pdf-Datei bei http://www.regtp.de/imperia/md/content/tech_reg_t/amateurfun/3.pdf

(4)     AATIS Blinkschaltung siehe http://www.kss-afukurs.de.vu/multi.htm

(5)     CQ DL 2/2003, S. 106

(6)     Direktüberlagerungsempfänger siehe http://www.kss-afukurs.de.vu/40mRX.zip

(7)     CQ DL 5/2003, S. ???