Wenn der Feed kippt: Theaterstück „Radikal jung. Rechtsextremismus unter Jugendlichen“
Unsere drei Gymnasialklassen zu Gast im Theater unterm Dach
Wie kann rechtsextremer Content Jugendliche erreichen? Und woran erkennt man eigentlich, dass ein scheinbar harmloser Social-Media-Beitrag Teil einer menschenfeindlichen oder extremistischen Erzählung ist?
Mit diesen Fragen beschäftigten sich unsere drei Gymnasialklassen bei einem Besuch im Theater unterm Dach in Berlin. An zwei Tagen sahen die Schülerinnen und Schüler das Theaterstück „Radikal jung. Rechtsextremismus unter Jugendlichen“.
Besonders eindringlich war dabei die Form, in der das Stück die Thematik vermittelte. Die Performer:innen von Polyformers spielten Social-Media-Content nach, der zunächst ausgesprochen alltäglich und unterhaltsam erschien. Es ging beispielsweise darum, wie man wirklich saftige Brownies backt, wie man zu mehr innerer Klarheit gelangt, einen definierten Body bekommt oder ein Vermögen aufbaut.
Nichts daran wirkt zunächst politisch oder extremistisch. Gerade das machte die Inszenierung so eindringlich.
Denn nach und nach veränderten sich die Inhalte. Die zunächst vertrauten Themen kippten, Sprache und Botschaften wurden radikaler, und immer deutlicher trat rechtsextremes Gedankengut hervor. Das Stück zeigte damit eine Form der Radikalisierung, die nicht unbedingt mit einer offen extremistischen Botschaft beginnt, sondern sich schrittweise und oftmals beinahe unbemerkt entwickeln kann.
Die nachgespielten Social-Media-Szenen wurden immer wieder unterbrochen und eingeordnet. Berliner Jugendliche, die an den Aufführungen beteiligt waren, setzten mit selbstgeschriebenen Texten einen deutlichen Gegenpunkt. Sie positionierten sich klar gegen den rechten Content und machten ihre eigene Haltung sichtbar.
Gerade für unsere Schülerinnen und Schüler war das Thema keineswegs nur eine theoretische Betrachtung.
Im anschließenden Nachgespräch wurde deutlich, dass viele Jugendliche bereits selbst mit rechtem Content auf Social-Media-Plattformen in Kontakt gekommen sind. Einige berichteten auch von der Erfahrung, dass sich der eigene Feed verändert, wenn man bei entsprechenden Inhalten länger verweilt. Aus einem einzelnen Video können weitere ähnliche Beiträge entstehen – und so kann sich der Eindruck verstärken, bestimmte Positionen seien besonders verbreitet oder würden von immer mehr Menschen vertreten.
Die Amadeu Antonio Stiftung weist ebenfalls darauf hin, dass Plattformmechanismen und personalisierte Feeds dazu beitragen können, dass menschen- und demokratiefeindliche Inhalte sichtbar werden und sich Positionen verstärken. Ihr Selbstlerntool SwipeAway setzt genau hier an: Es vermittelt, wie menschenfeindliche Erzählungen in gängigen Social-Media-Formaten aussehen, welche Strategien dahinterstehen und wie das eigene Nutzungsverhalten kritisch reflektiert werden kann.
Der Besuch im Theater unterm Dach hat unsere Schülerinnen und Schüler ebenso wie die Lehrkräfte stark beschäftigt. Das Stück war an manchen Stellen unangenehm – und gerade deshalb wichtig.
Demokratiebildung bedeutet deshalb auch Medienbildung: hinschauen, einordnen, widersprechen und miteinander im Gespräch bleiben.
Wer sich selbst näher damit beschäftigen möchte, wie menschenfeindliche Inhalte auf Social Media funktionieren und erkannt werden können, findet mit SwipeAway ein entsprechendes Online-Selbstlerntool der Amadeu Antonio Stiftung.