Von C. Rathmann
Reinickendorf - Die Schule für ihre Tochter hat sich Daniela Braun ganz gezielt ausgesucht. «Anna soll eine kirchliche Einrichtung besuchen», sagt die Hermsdorferin. Und so entschieden sich die Eltern für die katholische Salvator-Schule an der Fürst-Bismarck-Straße. «Das menschliche Miteinander stimmt, die Lehrer sind sehr engagiert.»
Für den guten Ruf der Privatschule ist die Mutter gerne bereit, einen Beitrag zu bezahlen. Der macht derzeit 20 Euro pro Monat in der Grund-, 31 in der Realschule sowie 41 Euro im Gymnasium aus. «Durchaus angemessen» findet sie.
Doch damit könnte bald Schluss sein. Denn die angekündigten Sparpläne des rot-roten Senats lassen bei den drei Privatschulen im Bezirk die Alarmglocken schrillen. Stufenweise soll der Zuschuss für die Personalkosten auf 90 Prozent abgesenkt werden. Bisher erhalten die Einrichtungen 97 Prozent der Personalkosten, die an vergleichbaren öffentlichen Schulen anfallen. «Langfristig kommen wir wohl um eine Erhöhung des Schulgeldes nicht herum», kündigt Salvator-Grundschulleiter Michael Mies an. Um bis zu 150 Prozent müsste der Elternbeitrag nach seinen Berechnungen steigen, damit das Bistum Berlin als Schulträger die gekürzten Zuschüsse auffangen könnte.
571 Jungen und Mädchen besuchen die katholische Grund-, weitere 560 die Oberschule. «Wenn wir so drastisch erhöhen, wird die Schule nicht mehr für alle bezahlbar», bedauert auch die Leiterin der Salvator-Oberschule, Terezija Lauff. Allein das Wort «Privatschule» hört sie ungern. «Wir sind keine Einrichtung für Besserverdienende.»
In der evangelischen Schule Frohnau zahlen Eltern je nach Einkommen pro Monat zwischen 40 und 110 Euro. Bei weiter steigenden Beiträgen befürchtet Schulleiter Heinz Dykstra, dass Eltern ihre Kinder aus der Schule herausnehmen oder gar nicht mehr anmelden. Mit Kürzungen habe auch die evangelische Landeskirche als Schulträger zu kämpfen, sagt Dykstra. Ihr fehlen künftig 1,3 Millionen Euro jährlich für die sieben evangelischen Schulen in Berlin. «Für uns wäre es eine Katastrophe, wenn wir den Neubau für die Naturwissenschaften und EDV nicht bekommen», so der Schulleiter.
Gegen «Sonderopfer» wehrt sich die Waldorfschule im Märkischen Viertel. «Natürlich tragen wir Kürzungen im öffentlichen Dienst in aller Demut mit», betont Geschäftsführer Alexander von Dresky. Doch der Landeszuschuss decke bereits jetzt nur 65 Prozent der Gesamtkosten. Renovierungen an dem Gebäude, neue Tische oder Stühle, Strom, Wasser und Heizung werden durch die gestaffelten Elternbeiträge aufgebracht: durchschnittlich 110 Euro im Monat in den Waldorfschulen.
«Die Eltern sind damit am Ende ihrer Leistungsfähigkeit angekommen», sagt der Geschäftsführer. «Jeder Schüler bei uns kostet den Staat im Jahr 2300 Euro weniger», rechnet von Dresky vor. «Deshalb ist die Sparpolitik unsinnig.» Schulstadtrat Uwe Ewers (CDU) sichert den drei Privatschulen seine Unterstützung zu. «Sie sind für die Schullandschaft unverzichtbar.»