«Reinickendorf muss mehr in das Berliner Bewusstsein rücken»Heute im Interview am Dienstag: der Kommunalpolitiker Oliver Schruoffeneger (B 90/Grüne)Oliver Schruoffeneger (B 90/Grüne) gehört seit 1987 der Reinickendorfer BVV an. Nun bewirbt sich der 39-Jährige um ein Mandat im Abgeordnetenhaus. Der gebürtige Reinickendorfer besuchte von der ersten bis zur 13. Klasse die Salvator-Schule und studierte anschließend Politologie an der Freien Universität Berlin. Bereits 1978 trat er als Gründungsmitglied den Grünen bei und engagierte sich schon früh auf Landes- und Bundesebene. Seit 1994 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Abgeordnetenhaus tätig. Über seine Arbeit im Bezirk und die Vorhaben auf Landesebene sprach Morgenpost-Reporterin Christiane Rathmann mit dem Politiker. Berliner Morgenpost: Nach 14 Jahren kehren Sie der Kommunalpolitik den Rücken. Mit Sicherheit freuen Sie sich auf neue Aufgaben. Kommt auch Wehmut auf? Oliver Schruoffeneger: Natürlich sind meine Gefühle zwiespältig. In Reinickendorf habe ich vieles aufgebaut. Im Abgeordnetenhaus muss ich ein Stück weit von vorne beginnen. Aber es ist ja nicht so, dass ich mit diesem Bezirk nun nichts mehr zu tun habe. Wer so lange in der Kommunalpolitik tätig ist, trifft auf viele Leute. Gab oder gibt es einen Lieblingsgesprächspartner? Der Jugendstadtrat Peter Senftleben ist ein verlässlicher Partner. Ansonsten fällt mir der frühere CDU-Bürgermeister Detlef Orwat ein. Wir haben uns gegenseitig geschätzt, trotz klarer inhaltlicher Differenzen. Mit ihm hat die Auseinandersetzung Spaß gemacht. Sie sind ein Politiker, der polarisiert. Einige halten Sie für den Vorzeige-Grünen, andere für einen «schlimmen Finger». Wie gehen Sie mit Kritik an Ihrer Person um? Ich gebe zu, dass ich die Dinge gerne deutlich auf den Punkt bringe. Das bedeutet aber nicht, dass ich meine Position partout durchsetzen möchte. Ich besitze schon eine hohe Kompromissfähigkeit. Was haben Sie in der Kommunalpolitik für den Bezirk erreicht? Ich beobachte zunehmend, dass es eine Bereitschaft innerhalb der Verwaltung gibt, sich mit unseren Positionen auseinander zu setzen. Sie sogar umzusetzen, ganz unabhängig von Mehrheitsentscheidungen. Dazu gehört beispielsweise die ökologische Sanierung. Wir haben bestimmt dazu beigetragen, dass die freien Träger in der Jugendarbeit gestärkt worden sind. Dass die Auseinandersetzung um die Bebauung der Tegeler Insel noch offen ist, hängt sicher auch mit unserer Arbeit zusammen. Welchen Rat geben Sie Ihrem Nachfolger? Weniger auf die innere BVV-Arbeit zu setzen, sondern mehr auf den Anstoß von außen. Die Bürger müssen in die Diskussion einbezogen werden. Nur dadurch lässt sich ein Druck von außen herstellen, der politisch etwas bewirkt. Bei welchen Vorhaben wollen Sie auf Landesebene mitarbeiten? Die wichtigste Aufgabe in Berlin ist der Haushalt. Das wird auch mein Spezialgebiet sein. So wie bisher kann die Stadt nicht mehr weiter wirtschaften, ein völliger Mentalitätswechsel ist vonnöten. Die Eigeninitiative muss sehr viel mehr Bedeutung erhalten. Denn die Politik und die Verwaltung können nicht alle Aufgaben alleine lösen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Menschen alleine gelassen werden. Die Politik ist dazu da, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Sie muss sich aber sehr viel genauer ansehen, wer Unterstützung benötigt. Was wollen Sie für Reinickendorf erreichen? Der Bezirk muss wieder mehr in das Berliner Bewusstsein rücken und seine Pluspunkte besser herausstellen. Einerseits liegt Reinickendorf nah an der Innenstadt, bietet aber Ruhe und eine naturbelassene Landschaft. Die Berliner City entwickelt sich zur Metropole. Und Reinickendorf zu einem Bezirk, in dem die Menschen wohnen, die in der City arbeiten. Vom Schlafstadt-Image müssen wir aber wegkommen. Die Frage ist doch, wie es Reinickendorf gelingt, ein attraktives Wohnumfeld gerade auch für junge Leute zu schaffen, damit sie ihre Freizeit im Bezirk gestalten. Ich stelle mir eine Verknüpfung von Kultur mit Natur vor, so wie es das Labsaal in Lübars bereits macht. Berliner Morgenpost, vom: 24.07.2001
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