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Datum: 17.12.1996
Ressort: Ratgeber
Autor: bec

Weniger Scheu vor Gedrucktem
Jugendliche sind kritischer geworden / Bereicherung des Lehrplans

Auf der Abschlußveranstaltung berichteten die Pädagogen über ihre Erfahrungen aus den Projektwochen. Sie nutzen das Beisammensein, um schon über nächste Aufgaben nachzudenken und sich darüber zu verständigen, wie die Ergebnisse ihrer Arbeit auch in anderen Fächern genutzt werden können.

"Der Weg hat sich gelohnt!" Wolfgang Gerade von der Katholischen Schule Salvator zieht Bilanz: Mit seinen drei an dem Projekt "Zeitung in der Schule" beteiligten Klassen und dem abschließenden Ausstellungsbesuch im Hamburger Bahnhof ist er zufrieden. Für ihn wie für einige andere Lehrerinnen und Lehrer, die sich danach in der Universal Hall zum Erfahrungsaustausch treffen, war der Hamburger Bahnhof allerdings nur Zwischenstation: Sie wollen sich auch am nächsten Projekt "Zeitung in der Schule" beteiligen.

Das Interesse der Schülerinnen und Schüler ist ihnen dabei gewiß. Schließlich bedeutet "Zeitung in der Schule" eine willkommene Alternative zum sonstigen "Frontalunterricht". Nicht nur theoretisch, vor allem praktisch konnte beispielsweise Annette Kunsch ihre 13. Klasse vom Thema Medien im Fach Politische Weltkunde überzeugen. Aus der Idee einer Diskussionsveranstaltung mit Erich Böhme wurde ein lehrreiches Projektthema. "Die Schüler haben verstanden, wie wichtig Informationen für eine fundierte Diskussion sind. Am Ende kamen sie sogar eine halbe Stunde eher zum Unterricht, um die Zeitung zu lesen. Schüler wollen mitreden, jetzt können sie es. Sie sind kritischer geworden und entdecken neue Zusammenhänge."

Das haben auch Peter Albrechts Kollegen von der 2. Realschule Friedrichshain gemerkt. Sie ließen sich anregen, die Zeitung für ihre Fächer zu nutzen und beziehen nun einzelne Beiträge mit in den Biologie-, Physik- oder Geschichtsunterricht. "Es ist eine gute Idee", findet Annette Kunsch, "wenn sich die Fachlehrer bei der Projektleitung gegenseitig unterstützen." Sie berichtet von der Zusammenarbeit eines Lehrers für Gesellschaftskunde mit seiner Kollegin: "Als Deutschlehrerin übernahm sie die sprachliche und er die inhaltliche Betreuung des Projekts."

Über den fächerübergreifenden Nutzen sind sich die Lehrerinnen und Lehrer einig. Was die Schüler an Lesetechniken und Darstellungsarten lernen und bei den Themenrecherchen selber in Erfahrung bringen, kommt nicht nur denen zugute, die später einmal Journalist werden wollen. "Es ging vor allem darum, die Schüler an das Medium Zeitung heranzuführen und ihnen so die Scheu vor Gedrucktem allgemein zu nehmen", beschreibt Inge Schütze von der Berufsfachschule für Sozialwesen ihr Interesse am Projekt. Außer Erfahrungen hätten Lehrer und Schüler auch gern ihre konkreten Ergebnisse ausgetauscht, etwa in Form einer Textsammlung. "Es ist interessant gewesen zu sehen, wie andere ihre Langzeitaufträge meistern", so Annette Kunsch.

Die Neugier ist geweckt. So sehr, daß viele sich wünschen, am Anfang des Projekts "Zeitung in der Schule" hätte ein Redaktionsbesuch gestanden; denn egal, welches Thema sie bearbeiten, sie wollen alles wissen über Zeitungsproduktion, von der Recherche bis zum Druck.

Wurde anfänglich noch heftig diskutiert über die Dauer des Projekts, schloß sich am Ende des Erfahrungsaustausches die Mehrzahl der Lehrerinnen und Lehrer der Meinung von Peter Albrecht an: "Zeitung in der Schule biete eine so vielfältige Bereicherung des normalen Lehrplans, daß drei Monate unbedingt nötig sind, um alle Möglichkeiten auszuschöpfen!"