04. Dezember 2000

Haupt- und ehrenamtliche Helfer der Malteser feierten mit 170 Obdachlosen

Von Judith Jenner

Nikolaus als Wohltäter für die Armen: Der Malteser feierten zum dritten Mal mit Berlinern in ihrer Diözesangeschäftsstelle in Alt-Lietzow. Foto = Jenner Charlottenburg - «Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, wie grün sind Deine Blätter», schallt es durch den weihnachtlich dekorierten Festsaal der Diözesangeschäftsstelle des Malteser Ordens in Alt-Lietzow. Zögerlich stimmen einige der 170 Obdachlosen, die am Sonnabend den Weg zur Weihnachtsfeier gefunden haben, mit ein. Andere sind bereits zu einem Nickerchen über den festliche gedeckten Tischen zusammengesunken. Doch nun betritt ein polternder Nikolaus den Raum. Sein lautes «Ward ihr denn auch alle artig», weckt auch den letzten Schläfer auf, denn schließlich kommen jetzt die Geschenke. Schüler des Salvator-Gymnasiums haben für jeden Bedürftigen einen Beutel mit nützlichen Kleinigkeiten wie Zahnbürsten, Socken, Hautcreme und Süßigkeiten gefüllt. Mehr als 1000 Mark haben sie dafür gesammelt.

Bedienen konnten sich die Obdachlosen auch in der Kleiderkammer der Malteser. Zudem gab es Duschmöglichkeiten und sechs ehrenamtliche Friseure, drei Rettungssanitäter und einen Arzt, die die Obdachlosen von elf bis 16 Uhr versorgten. «Wir beteiligen uns zum dritten Mal an der Nikolaushilfe», berichtete Gabriella von Scheven, Diözesanoberin in grauer Malteseruniform. Etwa 60 haupt- und ehrenamtliche Helfer ermöglichten das Fest.

«Der Nikolaus ist bis in die heutige Zeit ein Wohltäter für die Armen geblieben. Das entspricht auch der Philosophie unseres Ordens», erklärte Pressesprecherin Christine Gomolka die Idee zur Nikolaushilfe, die es heute in 54 deutschen Städten gibt - von Aachen bis Würzburg. Normalerweise liegt der Schwerpunkt der Arbeit der Malteser auf Krankentransporten und -betreuung.

«Verbandsstoffe, Salben und Spritzen für die medizinische Betreuung konnten wir daher aus unserem eigenen Fundus beschaffen», erläuterte Rettungssanitäter Christian Radke. 13 Patienten hatten er und seine Kollegen schon versorgt. «Wir können hier nur akute Leiden behandeln. Bei ernsteren Krankheiten verweisen wir auf die Praxis der Caritas an der Jebenstraße, wo Obdachlose gratis versorgt werden.»

Großer Andrang dagegen bei den sechs Friseuren, die gratis die Haare stutzten. «Das letzte Mal war ich im Sommer beim Friseur», sagte Otto und freut sich über den ehrenamtlichen Service der Friseursalons «Doris», «Sandra» und «Heike». «Auch wenn ich auf der Straße lebe, muss ich ja nicht rumlaufen wie der letzte Penner.» Er hat recht, denn auf den ersten Blick sah man dem 51-Jährigen seine missliche Lebenssituation nicht an.

Das lag nicht zuletzt auch an der großen Auswahl in der Kleiderkammer, die die Malteser extra zur Nikolaus-Feier eingerichtet hatten. Renate Radtke, die diese betreut, war schon mehrere Säcke voll Wäsche, Pullover und Jacken losgeworden. Ohne Beschränkung konnte sich hier jeder nach Bedarf eindecken. «Wintermäntel und feste Schuhe werden dringend gebraucht», stellte sie fest. Was übrig blieb, bekommt die Caritas. Für heiße Rhythmen sorgte derweil die Mädchenband «Soul Devotion» von der Ufa-Fabrik. Ein Dutzend Gäste schwangen ausgelassen das Tanzbein, wollten die Mädels nach ihrem Auftritt gar nicht mehr gehen lassen.

Heinz, ein zerzauster älterer Herr mit norddeutschem Akzent, guckte dem Treiben aus sicherer Entfernung zu. «Die geben sich so viel Mühe mit uns», sagte er gerührt. Seit mehr als zehn Jahren lebt der ehemalige Seemann mal hier, mal dort. Weihnachten hat er in den vergangenen Jahren einfach ausfallen lassen.

Mit Flugzetteln in Suppenküchen und bei der Bahnhofsmission haben die Malteser Werbung für die Nikolaushilfe gemacht. Trotz der eingerichteten Shuttle-Busse vom Zoo und vom Alexanderplatz waren dieses Jahr nur etwa halb so viele Gäste gekommen wie im vergangenen. «Möglicherweise ließ das milde Wetter oder eine wohltätige Parallelveranstaltung einige Obdachlose fern bleiben», mutmaßte Gabriella von Scheven. Weniger Obdachlose gäbe es aber sicherlich nicht. Und für diejenigen, die gekommen waren, bedeutete der schwache Besuch, ein Nikolauspäckchen zusätzlich.

zurück