
16.03.2005
Elf
Tage mit Shakespeare
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Zwei Oranienburger beteiligen sich an Leseweltrekordversuch /
Spendenaktion für Sri Lanka
KONRAD LITSCHKO
BERLIN Während sich andere Donnerstagnacht in die
heimischen Betten kuscheln, hat Basti Besseres zu tun: Der junge Oranienburger
setzt sich von zwei bis fünf Uhr früh in ein Schaufenster am Berliner Ku'damm
und liest aus Döblins "Berlin-Alexanderplatz" vor. Und dabei ist er
noch nicht mal allein: Schüler, Lehrer und Eltern der Berliner Salvator-Schule
versuchen, einen Dauerlese-Weltrekord aufzustellen.
Elf Tage und elf Nächte, vom 8. bis zum 19. März, lesen
sie nonstop die großen Schmöker der Weltliteratur: Skakespeare, Thomas Mann,
Erich Kästner oder auch aktuelle Werke wie Sven Regeners "Herr
Lehmann". Unter den Weltrekord-Aspiranten sind auch Franziska Wilke und
Sebastian Bernard aus Oranienburg .
"Als ich gehört habe, dass wir ins Guinness-Buch der
Rekord kommen wollen, hatte ich sofort Bock, mitzumachen", erzählt
Sebastian. Er und Franziska sind Schüler der Salvator-Schule. Als sich Ende
Dezember die schreckliche Flutkatastrophe in Südostasien ereignete, wollte auch
die Schule nicht untätig bleiben.
Kuchenbasar? Benefizkonzert? Die Schülersprecher hatten
eine andere Idee: Lesen für den guten Zweck. Gesammelt wird für ein Wohnheim in
Sri Lanka mit angeschlossener Waisenschule.
Schnell fand sich die Hugendubel-Filiale am Berliner
Kurfürstendamm als Sponsor und Austragungsort, genauso schnell begeisterte
Schüler und Lehrer. "Ich lese auch so gern, da war's doch klar, dass ich
mitmache", begründet Franziska ihre Teilnahme. Am heutigen Mittwoch von 8
bis 11 Uhr wird sie in der Buchhandlung mit zwei weiteren Mitstreiterinnen aus
Jules Vernes "20 000 Meilen unter Meer" vorlesen. Auf einem
knallroten Sessel im Schaufenster der Filiale. Direkter Blick auf die
Gedächtniskirche, draußen vor der Scheibe fünf Stühle für interessierte
Zuhörer.
"Nachts steht da auch eine Wärmelampe für die
Passanten", ergänzt Sebastian. "Als ich gelesen habe, sind die Leute
aber höchstens kurz stehen geblieben." Wen wundert's um diese
nachtschlafende Zeit. "Selbst der Hugendubel-Angestellte ist eingepennt",
schmunzelt der Zwölftklässler. "Ich hingegen war hellwach." Espresso,
Cola und Baguette, alles gestellt von der Bücherei, habe ihn bei der Stange
gehalten. Drei Stunden durfte er sich Alfred Döblin widmen, auch wenn er lieber
Literatur à la Walter Moers' "Der Fönig" gelesen hätte.
"Immerhin konnten wir uns zu dritt alle 20 Minuten abwechseln", so
Sebastian. "In den Pausen hab ich dann frischen Kaffee geholt oder in dem
riesigen Büchersortiment gestöbert."
Am Freitagnachmittag wird dann der Buchdeckel wieder
zugeschlagen. Mit der schulinternen Big-Band soll der gelungene Weltrekord
ausgiebig gefeiert werden. Allerdings: "Ins Guinness-Buch schaffen wir's
leider doch nicht", bedauert Sebastian. "Dafür haben zu viele
Personen teilgenommen. Ein Rekord ist es aber trotzdem: So lange an einem Stück
hat noch niemand aus Büchern gelesen!"