Lese-Marathon: Mit der "Schatzinsel" im Schaufenster
Charlottenburg
Seit drei Tagen sitzen sie nun schon über den Büchern - die etwa 200 Schüler, Lehrer, Ehemaligen und Eltern der katholischen Salvator-Schule in Waidmannslust. Ihr Ziel: elf Tage lang nonstop vorlesen. Von Erschöpfung kann nach den ersten Nächten in der Buchhandlung Hugendubel am Tauentzien aber noch keine Rede sein. Ganz im Gegenteil, die Literaturfans sind mit Feuereifer bei der Sache.
Sie alle haben einen gemeinsamen Ansporn: Sie lesen gern. "Zu Hause habe ich schon mein ganzes Bücherregal durchgeschmökert", berichtete die 12jährige Charlotte Ueberreiter stolz. Gestern morgen um acht Uhr war für sie und ihre beiden Schulkameraden, Lisa Hellebrandt und Jonas Dinkelborg, "Schichtbeginn". Vor ihnen lagen drei Stunden mit Stevensons "Schatzinsel". Die ersten eineinhalb Stunden davon im Schaufenster der Buchhandlung, von wo aus jedes einzelne Wort per Lautsprecher nach draußen übertragen wird. Aufgeregt seien sie aber nicht, versicherten die Grundschüler. Linda Kanellos, Laura Rentel und Magdalena Wilk haben ihre erste Vorlese-Schicht bereits hinter sich. Von fünf bis acht Uhr morgens haben die drei Elftkläßlerinnen gestern abwechselnd auf dem roten Sessel im Schaufenster Platz genommen und Kapitel um Kapitel aus Patrick Süßkinds "Das Parfüm" vorgetragen. Sie meisterten die drei Stunden mit Leichtigkeit.
"Klar, nach einiger Zeit wird der Hals trocken und der Mund fusselig, aber die Zeit vergeht sehr schnell und es macht totalen Spaß, nachts vorzulesen", urteilt Magdalena. Daß sie dabei unter ständiger Beobachtung durch Passanten stehen, stört die Drei nicht. Sie wünschen sich vielmehr, "daß die Leute nicht nur stehenbleiben und zuhören, sondern selber zum Buch greifen", so die 17jährige Linda.
Acht Tage und Nächte haben die Vorleser noch vor sich, zum Ende des Marathons am 19. März um 16 Uhr werden die vorgetragenen Bücher verlost. Mit dem Erlös sollen der Aufbau eines Waisenheims und einer Schule in Sri Lanka unterstützt werden.
afw