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Montag, 21. März 2005

Christliche Erziehung gefragt wie nie

Kirchliche Schulen können viele Bewerber nicht aufnehmen / Gymnasien ab 5. Klasse beliebt

Marlies Emmerich

Die katholischen und evangelischen Schulen können ihre Schüler oft nur durch Losverfahren auswählen. Religiöse Bildungseinrichtungen sind gefragt wie nie. Etwa 13 200 Kinder besuchen christliche Schulen - rund 1 300 mehr als vor zwei Jahren. Grund fürs starke Interesse: Vielfach wird - anders als an staatlichen Schulen - der gymnasiale Zweig bereits ab der fünften Klasse angeboten. Eltern versprechen sich zudem eine bessere Ausbildung ihrer Kinder, nicht zuletzt in Religionsfragen.

Besonders gefragt ist etwa die katholische Salvator Schule in Reinickendorf. "Wir könnten eine zweite Schule daneben stellen. Die wäre sofort ausgebucht", sagt Angela Schneider vom Erzbistum. Ähnlich sehe die Situation im Märkischen Viertel aus. Dass beide Bildungseinrichtungen die Nachfrage nicht erfüllen können, liegt nach Ansicht der Bildungsreferentin am Umland. Eltern aus Hohen Neuendorf oder Schildow bildeten Fahrgemeinschaften, um den Nachwuchs in die katholische Schulen zu bringen. "Leider hat die Kirche kein Geld für Schulgründungen", sagt Schneider. Und die Bischofskonferenz unterstütze dies - anders als die evangelische Kirche - finanzielll nicht.

Bei den Protestanten sieht die Lage ähnlich aus. Die evangelische Grund- und Realschule in der Charlottenburger Guerickestraße kann für beide Zweige jeweils 56 Schüler aufnehmen. "Wir haben aber eine Warteliste von vier Seiten mit Namen", sagt Leiter Eckart Jendis. Fast die gleiche Entwicklung melden die Einrichtungen in Spandau und Steglitz. Und obwohl die evangelische Schule Frohnau erst im Januar einen neuen Klassentrakt erhalten hat, reicht der Platz nicht aus. Pro Jahrgang können zwei Klassen unterrichtet werden. Ein Lehrer sagt: "Das ist ein Bruchteil der Schüler, die eigentlich interessiert waren."

"Etliche Absagen"

Nach den Sommerferien startet das erste evangelische Gymnasium in den östlichen Bezirken. Die Köpenicker Einrichtung bietet zunächst 52 Jugendlichen in zwei fünften Klassen Platz. Bisher haben sich mehr als 80 junge Leute beworben. "Von etlichen Absagen" spricht die dortige Arbeitsstellenleiterin Religionsunterricht, Annekathrin Seeber. Die 49-Jährige glaubt, dass Eltern - selbst aus Mahlsdorf oder Rudow - ihre Kinder wegen des musischen Zweigs mit Chor und Orchester anmelden. Auch die geplante wöchentliche Andacht dürfte viele Eltern anlocken. Ihr schwebt bereits ein Schülergebetskreis vor: "Locker, fröhlich, freiwillig."

Aber längst nicht alle Interessenten werden registriert. "Wenn klar ist, dass die Plätze nicht ausreichen, ist Schluss", sagt Schneider. Schließlich könnten sich die Schulen nicht dauernd mit ohnehin aussichtslosen Bewerbungen beschäftigen. Eckart Jendis in Charlottenburg versucht einen anderen Weg. Mit jedem Kind wird trotz zeitlicher Belastung ein Gespräch geführt. "Wir berücksichtigen auch Herkunft und soziale Umstände." So lernen bei ihm farbige Kinder, drei krebskranke Schüler und ein Kind im Rollstuhl.

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