 |
|
|
Christliche Erziehung gefragt wie nie
Kirchliche Schulen können viele Bewerber nicht aufnehmen / Gymnasien ab 5. Klasse beliebt
Marlies Emmerich
Die
katholischen und evangelischen Schulen können ihre Schüler oft nur
durch Losverfahren auswählen. Religiöse Bildungseinrichtungen sind
gefragt wie nie. Etwa 13 200 Kinder besuchen christliche Schulen - rund
1 300 mehr als vor zwei Jahren. Grund fürs starke Interesse: Vielfach
wird - anders als an staatlichen Schulen - der gymnasiale Zweig bereits
ab der fünften Klasse angeboten. Eltern versprechen sich zudem eine
bessere Ausbildung ihrer Kinder, nicht zuletzt in Religionsfragen. Besonders
gefragt ist etwa die katholische Salvator Schule in Reinickendorf.
"Wir könnten eine zweite Schule daneben stellen. Die wäre sofort
ausgebucht", sagt Angela Schneider vom Erzbistum. Ähnlich sehe die
Situation im Märkischen Viertel aus. Dass beide Bildungseinrichtungen
die Nachfrage nicht erfüllen können, liegt nach Ansicht der
Bildungsreferentin am Umland. Eltern aus Hohen Neuendorf oder Schildow
bildeten Fahrgemeinschaften, um den Nachwuchs in die katholische
Schulen zu bringen. "Leider hat die Kirche kein Geld für
Schulgründungen", sagt Schneider. Und die Bischofskonferenz unterstütze
dies - anders als die evangelische Kirche - finanzielll nicht. Bei
den Protestanten sieht die Lage ähnlich aus. Die evangelische Grund-
und Realschule in der Charlottenburger Guerickestraße kann für beide
Zweige jeweils 56 Schüler aufnehmen. "Wir haben aber eine Warteliste
von vier Seiten mit Namen", sagt Leiter Eckart Jendis. Fast die gleiche
Entwicklung melden die Einrichtungen in Spandau und Steglitz. Und
obwohl die evangelische Schule Frohnau erst im Januar einen neuen
Klassentrakt erhalten hat, reicht der Platz nicht aus. Pro Jahrgang
können zwei Klassen unterrichtet werden. Ein Lehrer sagt: "Das ist ein
Bruchteil der Schüler, die eigentlich interessiert waren." "Etliche Absagen" Nach
den Sommerferien startet das erste evangelische Gymnasium in den
östlichen Bezirken. Die Köpenicker Einrichtung bietet zunächst 52
Jugendlichen in zwei fünften Klassen Platz. Bisher haben sich mehr als
80 junge Leute beworben. "Von etlichen Absagen" spricht die dortige
Arbeitsstellenleiterin Religionsunterricht, Annekathrin Seeber. Die
49-Jährige glaubt, dass Eltern - selbst aus Mahlsdorf oder Rudow - ihre
Kinder wegen des musischen Zweigs mit Chor und Orchester anmelden. Auch
die geplante wöchentliche Andacht dürfte viele Eltern anlocken. Ihr
schwebt bereits ein Schülergebetskreis vor: "Locker, fröhlich,
freiwillig." Aber längst nicht alle Interessenten werden
registriert. "Wenn klar ist, dass die Plätze nicht ausreichen, ist
Schluss", sagt Schneider. Schließlich könnten sich die Schulen nicht
dauernd mit ohnehin aussichtslosen Bewerbungen beschäftigen. Eckart
Jendis in Charlottenburg versucht einen anderen Weg. Mit jedem Kind
wird trotz zeitlicher Belastung ein Gespräch geführt. "Wir
berücksichtigen auch Herkunft und soziale Umstände." So lernen bei ihm
farbige Kinder, drei krebskranke Schüler und ein Kind im Rollstuhl.
|
|