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Datum:  

05.04.2005

Ressort:  

Lokales

Autor:  

Sabine Deckwerth

Seite:  

16

Der Diener des Papstes


TRAUER UM DEN PAPST - Ein ehemaliger Ministrant erinnert sich, wie er dem Papst in Berlin ganz nah kam. Gläubige versammeln sich heute zum Trauergottesdienst.

Die Messe war ein Höhepunkt. "Sie war die Krönung meiner Laufbahn als Ministrant", sagt Robert Baberske, heute 34 Jahre alt und Lehrer für Geschichte und Physik an der katholischen Salvator-Schule in Reinickendorf. Robert Baberske war Papst Johannes Paul II. einmal so nahe wie kaum ein anderer Berliner. Er war Ministrant bei der Heiligen Messe vor neun Jahren im Berliner Olympiastadion. Einer von 1 200 Messdienern und dennoch ein besonderer. Baberske stand an jenem 23. Juni 1996 nicht wie die meisten anderen unten auf der Wiese, er stand oben direkt am Altar, unmittelbar neben dem Papst. Er war vom Erzbistum Berlin ausgewählt worden als einer von vier, die Johannes Paul II. während der Messe direkt assistieren sollten. In einem weißen Rochett, dem Chorhemd, über dem schwarzen Talar, durfte er drei Stunden lang links am Altar stehen und das Weihrauchfässchen schwingen. Er war damals 25 und noch Student.

Baberske wollte es so, wollte ganz vorn dabei sein bei dem Großereignis, das zehntausende Katholiken bei einer Messe vereinte. "Du merkst, hinter dir steht eine riesige Gemeinde, das ist ein faszinierendes Gefühl." Kurz vor der Messe traf er Johannes Paul II. in einem Raum des Stadions. "Er war tief ins Gebet versunken, das war beeindruckend." Während der Messe erhielt er vom Papst die Kommunion, nach der Messe reichte ihm der Papst die Hand. Baberske sagt, "das war eine schöne Sache". 24 Jahre war er Ministrant und der Dienst am Altar "ein wichtiger Teil meiner Freizeit". Im vergangenen Dezember hat er aufgehört.

Als Johannes Paul II. im Sterben lag, betete  Baberske mit seinen Schülern vor dem Unterricht für ihn. Als der Papst starb, sei er "ziemlich betroffen" gewesen. "Ich habe ja nur diesen einen Papst bewusst erlebt." Er ist quasi mit ihm aufgewachsen. Im Religionsunterricht, in den Gottesdiensten hat Johannes Paul II. immer eine Rolle gespielt.

Was das Wirken von Johannes Paul II. betrifft, ist Robert Baberske  "gespalten wie viele". Einerseits habe der Papst beeindruckende und vorbildhafte Charakterzüge gehabt. Wort und Tat, sagt Baberske, stimmten bei ihm überein. Er habe an ihm geschätzt, dass er Kriege ächtete und US-Präsident George Bush unverblümt ins Gesicht gesagt habe, was er vom Irak-Krieg halte. Ungerechtigkeiten habe er öffentlich angeprangert, Arbeit über das Eigentum gestellt und als unabdingbaren Teil der Würde des Menschen gesehen. "Welcher andere Staatsmann hat das in dieser Deutlichkeit getan", fragt Baberske. Und nicht zuletzt habe der Papst den Dialog zwischen den Religionen, insbesondere zwischen Christen, Juden und Moslems, gefördert.

Andererseits sieht  Baberske "viele dogmatische Positionen wie die Abschaffung der katholischen Schwangerenberatung kritisch. Ihn störe auch, dass der Papst in seiner Personalpolitik auf stark konservative Kardinäle setzte. "Diese erhielten mehr Öffentlichkeit als jene Katholiken, die in den Gemeinden wirken, die etwa Kinderfahrten organisieren oder Senioren betreuen."

Nach dem Tod von Johannes Paul II. wünscht sich der Katholik Baberske eine politisch-liberale Kirchenführung. Eine, die ermöglicht, dass katholische und evangelische Christen mehr aufeinander zugehen können. Er sagt, er hätte "gern einen jungen Papst mit einem langen Pontifikat".

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Foto: Gottesdiener in Talar und Rochett: Diese vier Ministranten - hier bei einer Anprobe - durften am 23. Juni 1996 im Olympiastadion direkt neben dem Papst stehen. Einer von ihnen war Robert  Baberske (dritter von links).

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Foto: Vor neun Jahren hat Robert Baberske einmal für den Papst ministriert. Heute unterrichtet er an der katholischen Salvator-Schule in Reinickendorf.