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Bezirksgeschichte macht Schule

Reinickendorfer Heimatmuseum ist seit 1980 im alten Hermsdorfer Unterrichtsgebäude untergebracht

Von Rolf Wunsch

Wussten Sie, dass auf dem Gebiet des heutigen Bezirkes Reinickendorf in grauer Vorzeit Rentiere weideten? Vor 50 Jahren waren an der Brücke am Titusweg Werkzeuge und Rentierknochen gefunden worden. Im Erdgeschoss des Heimatmuseums ist die Rekonstruktion eines Lagers von Rentierjägern am Tegeler Fließ zu sehen.

Die Anfänge des Heimatmuseums Reinickendorf reichen bis in die 30er-Jahre des vorigen Jahrhunderts. Damals wurden die ersten Sammlungen in den Volksschulen angelegt. Als Heimatschau kamen sie 1959 ins Gutshaus Wittenau. Heute sind sie in der alten Hermsdorfer Schule zu sehen, die 1980 zum Heimatmuseum umfunktioniert worden ist.

Schulklassen bilden die Hauptbesuchergruppe des Museums. Um die Schüler näher an die Museumsarbeit heranzuführen, hat die Vorsitzende des Reinickendorfer Kulturausschusses, Katrin Schultze-Berndt (CDU), angeregt, Patenschaften zwischen Schulen und dem Heimatmuseum abzuschließen. Grund- und Oberschüler könnten regelmäßig an der Erarbeitung von Ausstellungen und Publikationen mitwirken - ohne zusätzlich Kosten für den Bezirk.

Das ist auch gut so, denn das Sachmittel-Budget von 15 300 Euro für das Jahr 2002 ist nicht üppig. Zu den Sachmitteln kommen die Personalkosten für 2,5 Stellen hinzu, sagt Kulturamtsleiter Helge Schätzel. Projektorientierte ABM-Kräfte aus dem Programm «Hilfe zur Arbeit» seien da eine große Hilfe. Sonst sähe es trübe aus für die im Herbst geplante Sonderausstellung «Zwangsarbeiter». Bezirksstadtrat Thomas Gaudszun hatte vor seinem Urlaub versprochen, dass das Heimatmuseum auch unter den derzeit schwierigen Bedingungen erhalten bleiben kann, wenn alle mitziehen. Bei Mitarbeitern und Projektkräften wie Christa Noruschat und Barbara Langer rennt er damit offene Türen ein. Ihr Wille ist groß. So beteiligt sich das Museum am 31. August zum zweiten Mal an der langen Nacht der Museen, und einen Tag später von 10 - 18 Uhr am Museumsfest.

Im Parterre des zweistöckigen Klinkerbaus befindet sich neben der Vor- und Frühgeschichte die Abteilung Handwerk und Industrie mit mittelalterlichen Originalstücken von Buchbindern, Schuhmachern, Zimmerern und Hufschmieden. Die aufwändige große Wäsche aus Urgroßmutters Zeiten lässt sich im Keller in der Waschküche neben einer typischen Kellerwohnung um 1920 nachempfinden. Im Obergeschoss ist eine Bauernstube aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges zu sehen. Eine Schulstube und ein Biedermeierzimmer aus damaliger Zeit geben Einblick in das Lernen und Leben in früheren Jahren. Die Biedermeiermöbel aus der Zeit um 1820 stammen aus dem Besitz des Lübarser Kirchenältesten Karl Alex.

Museen im Netz

Mehr übers Heimatmuseum unter: www.salvator.net/heimatmuseum

Berliner Morgenpost, vom: 10.08.2002
URL: http://morgenpost.berlin1.de/archiv2002/020810/bezirke/story541071.html