Druckversion Druckversion
 

Stoiber besucht nach TV-Duell Krankenhaus und katholische Schule

Von K. Lange und T. Thissen

Der Tag danach. Edmund Stoiber ist in Berlin. Er trägt die gleiche Krawatte, der Anzug ist grauer. Er sieht erschöpft aus, aber nicht müde. Die vor Wochen noch braune Haut ist heller geworden. Vor der Katholischen Schule Salvator in Reinickendorf wartet eine Menschenmenge auf ihn. Die Junge Union klatscht rhythmisch, ruft «Edmund, Edmund.» Jusos skandieren: «Wir brauchen keine Weißwürste.» Stoiber geht noch einmal auf das Duell ein: «Eine lebhafte Diskussion. Ich bin sehr zufrieden.» Dann spricht er mit Schülern. Die Presse wird von einem unnachgiebigen Hausmeister in die Aula geschickt. «Ick seh seinen weißen Kopp», sagt ein Achtklässler.

Jenny, Juliane, Barbara und Sabina sollen ihre Basketball-AG vorstellen, die von einem Handy-Konzern gesponsert wird. Schule und Wirtschaftssponsoring. Hierzu soll auch der Kandidat sich äußern. Stoiber habe nur das Arbeitslosenargument, sagt eine der Schülerinnen. Sie findet ihn nicht gut, obwohl der Vater Unternehmer sei und sich den Bayern als Kanzler wünsche. Magdalena hat einen Kunstpreis des Handy-Konzerns gewonnen. Stoiber schaut sich ihr Bild an, setzt sich wieder. Dann redet er ein bisschen, über Schule und Wirtschaft («gut, aber Bildung muss unter der Oberheit des Staates stehen»), über Bayern («wir haben eine Stiftung»), über sozial schwache Stadtteile («dort fordere ich eine Ganztagsbetreuung der Schüler»), über Lehrer («darüber werden zu oft Witze gemacht») und über den jungen Menschen an und für sich («jeder Mensch ist einzigartig»). Er sagt auch: «Wir brauchen ein festes geistiges Fundament, auf welchem Boden jemand steht», und, «dass man notwendige Zusammenlebensformen braucht». Er schreibt ins Goldene Buch von Reinickendorf, fährt weiter nach Steglitz.

Der Kandidat kann nicht versprechen, das Uniklinikum Benjamin Franklin zu erhalten. «Das ist schließlich eine landespolitische Entscheidung», sagt der ärztliche Direktor, Wolfgang Hinkelbein. Er wolle sich aber für einen Hauptstadtvertrag stark machen, verspricht Stoiber, damit Berlin in den Rang einer Metropole wie London, Paris, Rom oder Madrid aufsteigen könne. Aus eigener Kraft gehe das nicht. Hinkelbein ist zufrieden. Stoiber steigt in die Limousine, springt dann noch einmal raus, um sich von der Klinikspitze zu verabschieden.

Berliner Morgenpost, vom: 10.09.2002
URL: http://morgenpost.berlin1.de/archiv2002/020910/berlin/story547841.html