Die Klasse 9 R der Katholischen – Schule – Salvator besucht Schwester Monika im "Haus Sonnenblume"

Vor der Fahrt am heißesten Tag des Jahres
Vor der Fahrt am Fronleichnams – Donnerstag trafen sich vier Schülerinnen und ein Schüler der Klasse 9 R um 8.30 Uhr vor der Katholischen – Schule – Salvator. Die fünf Schüler waren: Viktoria Machlitza, Julia Gillmann, Verena Gellert, Iris Özükan und Adam Grekowitz mit Herrn von Poblotzki, der sich eigens für diesen Besuch einen VW – Bus geliehen hatte, damit wir nicht laufen oder mit dem Fahrrad hätten fahren müssen. Bei dieser Hitze wäre das auch unvorstellbar gewesen. Es war eigentlich ein idealer Tag zum Baden. So fiel es besonders schwer, die Freizeit für diese Vorbereitungsfahrt zu opfern. Aber wie wir am Ende unseres Besuches sahen, hatte sich dieser Idealismus voll und ganz ausgezahlt, denn die Eindrücke waren doch sehr unter die Haut gehend. Voll und ganz zufrieden werden wir sein, wenn der geplante Trödelmarkt am 15.07.2000 möglichst viel für dieses Haus erbringen wird.

Nach einem etwas größeren Umweg, Herr von Poblotzki meinte doch tatsächlich fast über Potsdam fahren zu müssen, da er am Kreuz Oranienburg nicht Richtung Prenzlau, sondern nach Hamburg fuhr, kamen wir aber doch fast pünktlich um 9.45 Uhr bei Schwester Monika an. Eine viertel Stunde später als geplant, aber noch innerhalb der Zeit, die man sich verspäten darf, ohne unhöflich zu sein.

Schwester Monika empfing uns sehr freundlich und ihre erste Frage war, ob wir etwas trinken wollten. Sie bat uns Kaffe, Selters und Saft an, so war für unser leibliches Wohl auch gesorgt. Das "Haus Sonnenblume" ist von außen, wie wir später sahen auch von innen, überhaupt nicht als ein Altbau zu erkennen, sondern die Fassade ist schneeweiß und die herumliegenden Gerüste und Reste von Baumaterialien zeugten von gerade abgeschlossenen Renovierungs- und Sanierungsarbeiten.
Während des Interviews klingelte öfter mal das Handy
So entstand sofort eine sehr einladende und freundliche Atmosphäre. Wir nahmen unter einem großen Nussbaum Platz, der uns und einem Säugling in einem Kinderwagen genügend Schatten bot. Schwester Monika sorgte sich um die Getränke und kurze Zeit später saßen wir zusammen und befragten sie. Währenddessen klingelte öfter mal das Telefon, so erhielten wir von Schwester Monika den Eindruck, dass sie sich mit Sicherheit nicht über Langeweile beklagen kann. Aber sie war stets ruhig und ausgeglichen, ohne Hektik und schien jedem Anrufer gerecht zu werden und jedem zu vermitteln, dass sie zur gegebenen Zeit nur für ihn da ist. Auch die Säuglinge, die wir im Verlauf des Vormittags sahen, erfuhren durch sie eine rührende Zuwendung.

So führten wir unser Interview mit Schwester Monika durch. Sie stand uns zu allen Fragen Rede und Antwort und wich keinen Fragen aus, auch denen nicht, die ganz persönlich an sie gestellt waren (s. Interview unten). Viktoria stellte die vorher formulierten Fragen wie eine professionelle Reporterin und Adam verfasste in Kurzform das Gesprächsprotokoll.
Schwester Monika wich keinen Fragen aus
Nach 1 ½ Stunden führte uns Schwester Monika durch das Haus. Es machte einen sehr gepflegten und sehr sauberen Eindruck und die Ausstattung der Zimmer, in denen die Frauen mit ihren Kindern wohnten zeugten von sehr viel Liebe Auch der Hausmeister, ein ehemaliger Obdachloser, der sich zur Zeit der Gründung dieses Hauses spontan bereit erklärte, Schwester Monika zu unterstützen, kümmerte sich liebevoll um die Säuglinge und schien wie ein Vater zu den Kleinen zu sein. Er kümmerte sich ganz rührend um sie. Im Haus befindet sich auch eine kleine Kapelle, die als Meditationsraum zum stillen Gebet, als auch zur morgentlichen Messfeier genutzt werden kann und immer offen steht.

So fuhren wir gegen Mittag wieder zurück nach Berlin und waren wirklich tief beeindruckt von der Fürsorge und vor allen Dingen von der Persöönlichkeit der Schwester Monika.

Wir wünschen ihr noch viel Kraft und Segen für ihre Arbeit!


Interview mit Schwester Monika

Das Interview führten Schüler der 9R der Salvatorschule im Juni 2000

9R: Wie sah ihr bisheriger Lebensweg aus? Was machten Sie vorher?

Schwester Monika: Ich bin mit 20 Jahren in den Franziskaner Orden eingetreten. Ich komme ursprünglich aus den neuen Bundesländern und da wollte man nichts von Problemen wissen, so dass ich Schwierigkeiten hatte mit Randgruppen zu arbeiten.
Vorrangig wollen wir die Kinder mit ihren verzweifelten
Müttern schützen
Ich war 10 Jahre bei der Arbeit mit Obdachlosen und stellte viele Parallelen zwischen diesen und den Aussätzigen zu der Zeit von Jesus Christus fest. Beide will man möglichst fern von sich halten. Zusammen mit Freunden habe ich die Suppenküche in Pankow ins Leben gerufen. Dorthin kamen dann auch immer mehr Kinder und Jugendliche. Auch in den Medien hörte ich immer öfter von Müttern, die ihre Kinder weggaben oder sogar töteten. Das gab mir den Anlaß, dieses Heim ins Leben zu rufen. Vorrangig wollen wir die Kinder mit ihren zumeist verzweifelten Müttern schützen, und ihnen die Möglichkeit eröffnen in der Anonymität ihr Kind zu entbinden und verhindern, dass sie aus Zwangslagen ihr Kind töen. Wir wollen auch den Müttern helfen und ihnen ein Dach über dem Kopf geben.

9R: Wann wurde das Haus eröffnet?

Sch.M: 1998 haben wir den Verein Sonnenblume ins Leben gerufen. Im Januar ´99 haben wir dann dieses Haus bezogen und im Juli ´99 haben wir dazu die Genehmigung erhalten.

9R: Wie stellen sie sich die Zukunft des Hauses vor?

Sch.M: Im Leben kommt immer alles anders als man denkt und hofft, deswegen kann ich dazu momentan leider nichts sagen.

9R: Wie finanzieren sie denn das Ganze?

Sch.M: Es ist eine Art Mischfinanzierung. Wenn Frauen uns ihre Papiere vorlegen, dann können wir sie an die Behörden weiterleiten und erhalten somit vom Staat Geld, da allerdings die meisten Frauen anonym bleiben wollen ist die Anzahl derer, die ihre Anonymität preisgeben wollen, recht niedrig. Das meiste Geld bekommen wir durch Spenden. Der Verein ‚Ein Herz für Kinder' finanzierte das Haus mit.

9R: Woher nehmen sie die Kraft dieses Haus zu führen?

Sch.M: Dieses Haus ist mehr mein Leben als mein Beruf. Der Glaube ist meine größte Kraftquelle, ohne meinem Glauben würde ich das wohl kaum schaffen. Aber andere Leute haben auch andere Kraftquellen und oft hilft reden. Dabei hab ich mir angewöhnt eine gewisse Distanz zwischen mir und den schwangeren Frauen zu halten, denn wenn ich mich da zu viel hinein steigern würde, würde ich das wohl kaum durchhalten.

9R: Wieviel Personen waren seit der Gründung des Hauses hier?

Sch.M: Genau kann ich das nicht sagen, aber es waren glaub ich 4 Frauen und 4 Kinder die hier lebten. 2 Kinder wurden bereits adoptiert.

9R: Wollen viele Mütter anonym bleiben?

Sch.W: Die meisten Frauen wollen anonym bleiben. Doch später hebt sich die Anonymität selbst auf, denn wenn die Frauen von sich erzählen kommt so manches ans Tageslicht.

9R: Was wünschen sie sich für dieses Haus?

Sch.M: Daß wir vielen Kindern das Leben retten können.

9R: Kann man auch bei ihnen anfangen mitzuarbeiten, wenn man möchte?

Sch.M: Es ist sehr schwer bei uns ein Praktikum zu machen, da dadurch die Anonymität der Frauen, die zu uns kommen, gefährdet wird.

9R: Kann man irgendwie anders helfen, wie zum Beispiel durch Spenden?

Sch.M: Ja natürlich wir können immer Hilfe gebrauchen. Zum Beispiel können wir immer sehr viele Babypflegeartikel gebrauchen wie zum Beispiel Windeln oder Babypuder, aber auch Lebensmittel Konserven, nicht nur Babynahrung, sondern auch normale Nahrung, weil manchmal Frauen mitten in der Nacht kommen. Dann braucht man natürlich etwas zum Essen das sich schnell zubereiten läßt, aber auch Geldspenden nehmen wir gerne an. Dabei muss bedacht werden, daß Naturalien genauso wichtig sind wie Geld.

9R: Helfen Sie nur christlichen Frauen oder auch andersgläubigen Frauen?

Sch.M: Natürlich helfen wir allen Frauen. Häufig kommen auch moslemische Frauen, weil diese Frauen oft es sogar noch schwieriger haben. Sie stehen ständig in der Angst, von ihren Ehemännern getötet zu werden, da nach moslemischem Recht eine Frau getötet werden kann, wenn sie vor der Ehe ihre Jungfräulichkeit verloren hat, auch wenn es sich dabei um eine Vergewaltigung handelt.

Adam Grekowitz, Verena Gellert, Julia
Gillmann, Iris Özükan, Viktoria Machalitza.
9R: Vielen Dank für das Gespräch.



Klaus von Poblotzki (Klassenlehrer 9 R)
Juni 2000


vgl auch: Thomas Steierhoffer in der KirchenZeitung Nr. 8/99 vom 28.Februar 1999