Milwaukee Bericht 2000

Donnerstag, 7.9.2000, Flughafen Tegel. Alle zukünftigen Milwaukee- Austauschschülerinnen blicken gespannt um sich. Hat man auch wirklich nichts vergessen? Haben alle ihren Reisepass?- Nein, einer fehlt, wird aber geholt.

Ich glaube, bei allen 15 Mädchen ging das Herz ein wenig schneller, als es hieß Reisepässe abgeben und das Gepäck einchecken. Damit rückte die Stunde des Abschieds von zu Hause immer näher und die Angst, ob es einem auch wirklich gefallen würde, wurde von der Vorfreude auf die nächsten drei Wochen verdrängt. Dann der Abschied von den Eltern und Geschwistern und jede Menge Zeit im Warteraum, die wir mit Vergleichen unserer Platznummern im Flugzeug verbrachten. Denn zuerst flogen wir nach Madrid, verbrachten dort eine Nacht im Hotel und flogen am nächsten Vormittag von dort aus nach Chicago. Am Flughafen hatten wir Glück und fanden den auf den Flugtickets angegeben Terminal, von dem wir auch ziemlich pünktlich starteten.

Die Skyline von Chicago
Der Flug an sich war auch ganz okay, nur ein paar schnarchende Spanier störten unsere Versuche einzuschlafen, was dazu führte, dass wir, als wir endlich in Chicago ankamen doch ziemlich müde waren. Dies drückte sich im Wesentlichen dadurch aus, dass wir von Lachkrämpfen geschüttelt in Chicago auf dem Fußboden, bzw.,dem Gepäck saßen und alle anderen Reisenden verwundert den Kopf schüttelten. Wir stiegen in Chicago in einen Reisebus, der uns nach Milwaukee bringen sollte, der auch prompt im Stau stand, so dass wir mit ziemlicher Verpätung unheimlich müde und gleichzeitig schrecklich aufgeregt ankamen. Alle wurden von ihren Familien abgeholt und das große Fragen begann. Wie war der Flug? Bist du hungrig, müde oder hast du Durst? Ich selber wurde von meiner Familie unheimlich nett aufgenommen und auch meine anfängliche Angst, mein Englisch wäre wohl doch nicht so gut, stellte sich als völlig unbegründet heraus. So ging es, denke ich, den anderen auch. Viele von uns trafen sich am ersten Abend auf dem "Tosa-Fest" bei dem ersten Footballspiel unseres Lebens. Das erste Wochenende wurde am Sonntag nachmittag von einem Picknick im Garten der amerikanischen Deutschlehrerin Fr. Sheikh von strahlendem Sonnenschein gekrönt. Schon hier haben manche gemerkt, wie ungewöhnt es war, Deutsch zu sprechen.

Am nächsten Morgen bekamen´wir dann auch endlich die Schule zu sehen, die DSHA, die Divine Savior Holy Angels High School in Milwaukee, eine katholische, private Mädchenschule, mit der die Salvator schon seit mehreren Jahren Schüler(innen)austauschprogramme organisiert. Der Unterricht kam uns zum Anfang sehr "anders" vor, jeden Tag um die gleiche Zeit den gleichen Unterricht zu haben klang doch wirklich sehr ungewöhnt. In den folgenden drei Wochen besuchten wir in Spring Green eine OpenAir Aufführung von Shakespeares Mittsommernachtstraum, natürlich auf Englisch und leider kaum zu verstehen, eine deutsche Grundschule, in der wir uns den Fragen der amerikanischen Grundschüler stellten, die wahrscheinlich noch aufgeregter als wir waren, das Harley Davidson Werk, Madison, die Hauptstadt Wisconsins und den Looney Tunes Park "Six flaggs - Great America", wo Achterbahn fahren bis zur Übelkeit angesagt war. Natürlich gingen wir auch alle kräftig shoppen, die Koffer waren auf dem Rückflug wahrscheinlich merklich schwerer. Ein weiterer Höhepunkt war der "Welcome Back Dance" der DSHA, eine Art amerikanische Schulparty.

Die drei Wochen gingen wie im Fluge um und das letzte große Ereignis stand bevor: Drei Tage Chicago, zwei Hotelübernachtungen und jede Menge Sightseeing. In Chicago gingen wir zuerst ins " Museum of Science and Industry", danach ins"Shedd Aquarium" und schließlich noch in die, in der Nähe des Hotels gelegene Mall, Geld ausgeben. Der nächste Morgen begann nach einer viel zu kurzen Nacht mit dem Sears Tower, der Besichtigung von Skulpturen, die überall in Chicagos Innenstadt verstreut sind, der Board of Trade (der Börse) und einem kurzen Spaziergang durch China Town, wohin sich wohl sonst so schnell kein Tourist verirrt. Natürlich ging es über die State Street shoppen und ein Besuch im Hardrock cafe durfte auch nicht fehlen. An diesem Abend waren wohl alle ziemlich fertig und wir zogen bloß noch mal los, um ein Restaurant fürs Abendessen zu finden. Unser letzter Vormittag in Chicago sah das " Art Institute" vor, ein Kunstmuseum.

Am Nachmittag fuhren wir wieder nach Milwaukee, um die letzte Nacht bei unseren Gastschwestern zu verbringen und noch einmal richtig Abschied zu feiern, denn es sollte ja noch viel Zeit vergehen, bis wir uns wiedersehen würden. Wie sehr die Freundschaft mit unseren Gastschwestern gewachsen war, merkte man an der Abschiedsszene am nächsten Morgen, wo kaum eine kein Taschentuch brauchte. Die ganze Fahrt über herrschte eine leicht melancholische Stimmung, die noch vom Abschied kam und erst in Chicago am O'Hare Airport verging. Dort allerdings wechselte die Stimmung von leicht traurig zu hektisch und angespannt, was wahrscheinlich auch daran lag, dass wir am falschen Gate aus dem Bus gestiegen waren und nun mit einer Art S-Bahn ohne Haltegriffe fahren mussten. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, verfuhren ein paar andere und ich uns mit dem Fahrstuhl ( das geht wirklich!!!) und Fr. Rosendahl musste uns erst suchen. Wir waren aber trotzdem pünktlich zur Stelle und hatten sogar noch Zeit für ein letztes Mc Donalds Essen, bis wir uns wieder über Madrid auf den Weg nach Hause machten. Dort wurden alle von ihren Familien erwartet und mussten des Rest des Tages erzählen, " wie es denn so war". Tja, und wie war es nun eigentlich? Die Antwort ist einfach: Es war wunderschööön!!

Die drei Wochen sind viel zu schnell vergangen und ich glaube, alle warten schon ungeduldig auf den Juni, wenn die Amerikanerinnen nach Berlin kommen und wir uns nach so langer Zeit wiedersehen!

 

 

Carolin Hammer, Mai 2001