Realisation von Elementen des Marchtaler Planes in der Salvator-Schule (Sek. I)

1. Die Vorgeschichte

Von 1993 bis 1995 bestand an der Salvator-Schule eine etwa zehnköpfige Arbeitsgruppe "Offener Unterricht", die sich mit Möglichkeiten der Einführung neuer Unterrichtsformen beschäftigte. Auf der Basis der Ideen dieser Gruppe wurden erste Visionen über die Entwicklung fächerverbindenden Unterrichts und der Freiarbeit entwickelt. Im Schuljahr 1994/95 wurde Freiarbeit in der 7R in den Fächern Mathematik, Geschichte und Religion erprobt. Es ergaben sich zeitweilige Zusammenarbeiten mit den Fächern Deutsch und Kunst. Diese Erprobungsphase wurde nicht fortgesetzt, da für die Schüler nicht genügend Zeitraum bestand, sich gleichzeitig auf zwei verschiedene Unterrichtsmodelle einzulassen. Den unterrichtenden Freiarbeitslehrern fehlte es auf Dauer an begleitender praktischer und theoretischer Unterstützung. Das BO zeigte sich sehr interessiert und investierte großzügig in die Raumausstattung der Klasse (was sich bis heute auszahlt). Seit 1997 gibt es die Arbeitsgruppe Pro 7, die die Einführung der Freiarbeit in den 7. Gymnasialklassen trägt. Nach zähem Ringen mit der damaligen Schulleitung konnten aus dieser Arbeitsgruppe einigermaßen homogene Lehrerteams gebildet werden, die in diesen Klassen unterrichten sollen.

2. Die Durchführung im Schuljahr 1997/98

Im Schuljahr 1997/98 wurden einige Elemente des Marchtaler Planes in den beiden 7.Klassendes Gymnasiums eingeführt. Die Fächer Mathematik, Englisch und Deutsch (seit Februar '98 auch Geschichte in der 7a) stellten jeweils eine Stunde den Schülern für Freiarbeit zur Verfügung. In diesen Stunden können die Kinder in der Klasse, am Computer oder auf dem Flur alleine oder in Gruppen Arbeitsaufträge ausführen, die ihnen von den Fachlehrern in den oben genannten Fächern gegeben wurden. Diese Arbeitsaufträge unterscheiden sich in Wochenplanarbeiten, die abgegeben und korrigiert werden und echte Freiarbeiten. Den Schülern sind durch die Freiarbeit außerordentlich motiviert fachbezogen zu arbeiten. Neben der Freiarbeit wurden auch Morgenkreise eingeführt. Alle Kollegen/innen der 7. Klassen sollten abwechselnd einen Morgenkreis pro Woche mit den Kindern vorbereiten und durchführen. Dieser Rhythmus wird nicht eingehalten, da sich noch nicht alle Kollegen/innen auf meditative oder kommunikative Elemente des Morgenkreises einlassen können. Die Schüler sind durchgehend interessiert an Morgenkreisen und fragen danach. Der fächerverbindende Unterricht konnte nicht durchgeführt werden. Die Pro 7-Gruppe hatte eine Projektwoche zum Thema "Kinder in aller Welt" geplant. Alle Kollegen der 7. Klassen sollten eine Woche lang verschiedene Länder auf möglichst verschiedene Weisen mit den Schülern kennenlernen. Darüber hinaus war eine Exkursionstag, ein gemeinsamer multikultureller Gottesdienst und ein "internationales Fest" für Eltern, Kinder und Lehrer geplant. Durch die vielen Pro 7-Temine für die Lehrer (s. u.) konnte dieses zusätzliche Angebot nicht auch noch vorbereitet werden. Es fehlte die Zeit. Am Fachunterricht hat sich nur wenig verändert. Die Freiarbeitsfächer müssen mit weniger konventionellem Unterricht auskommen. Wenn man die Arbeits- und Lernergebnisse der Schüler betrachtet, haben sie durch Freiarbeit im Vergleich mehr gelernt. Die Fächer, die nicht Stunden für die Freiarbeit abgegeben haben, können trotzdem kleinere Aufträge für die Freiarbeit zur Verfügung stellen. Die zusätzliche Lernmotivation der Schüler kann sich so auch auf den Fachunterricht positiv auswirken.

2.1 Begleitende Maßnahmen 1997/98

Die Durchführung der Freiarbeit in den 7. Klassen wird pädagogisch und organisatorisch von der Pro 7+8-Arbeitsgruppe unterstützt. Neben den sechs Kollegen, die in der konkreten Feiarbeit stehen treffen sich wöchentlich jeden Donnerstag nach der Schule 10 -12 weitere Kollegen die an der Pädagogik des Marchtaler Planes interessiert sind. Diese hoffen sehr, daß sie im nächsten Schuljahr mit Freiarbeit beginnen können. In diesem Forum wird die aktuelle Situation der Schüler und Lehrer ausgewertet und weiterentwickelt. Die Treffen sind für alle Interessierten offen. Zusätzlich zum Donnerstagstermin werden einmal im Monat Pro 7+8-Tage veranstaltet. An einem Schultag endet für die Pro 7+8-Arbeitsgruppe der Unterricht nach der 4. oder 5. Stunde. Bis zum frühen Abend arbeitet die Gruppe an zeitaufwendigeren Aufgaben wie z. B. Erstellung von Freiarbeitsmaterial, Weiterbildung für Morgenkreisneulinge oder Planung der Realschul-Freiarbeit. Neben diesen beiden festen Terminen wurden auch Pro 7+8-Wochenenden durchgeführt. Die gesamte Gruppe fuhr im Januar nach Lomitz um den fächerverbindenden Projektunterricht für die 7. und 8. Klassen vorzubereiten. Im Mai 1998 findet ein weiteres Wochenende zu diesem Thema statt. Im Juli 1998 fährt ein großer Teil der Gruppe zu einer Hospitation an ein Gymnasium nach Rottenburg. Eine Untergruppe entwirft z. Z. einen "Codex Salvatoris" der Ziele und Haltungen für das Zusammenleben und -arbeiten in der Schulgemeinschaft formuliert. Am 9. März 1998 fand für das gesamte Kollegium der Oberschule ein Studientag mit Hr. Gerst von der Kirchlichen Akademie der Lehrerfortbildung in Obermarchtal statt. Der Referent stellte u. a. den Marchtaler Plan vor und bot für das Kollegium ein Fernstudium an, das auf die Salvator-Schule genau zugeschnitten ist. 25 Kolleginnen und Kollegen haben sich zu diesem "Fließtaler Fernstudium" verbindlich angemeldet. Die Realisierung von Elementen des Marchtaler Planes an der Salvator-Schule ist ohne diese begleitenden Maßnahmen nicht denkbar. Hier können konkrete Probleme und Vorarbeiten im Kreise der Kollegen konstruktiv besprochen werden. Die notwendigen Planungen werden hier mit der Schulleitung und der Schulrätin besprochen. Trotz des hohen Zeitaufwandes sind alle beteiligten Kollegen immer noch motiviert an diesen Treffen teilzunehmen, da sie effektiv sind und in freundschaftlicher und offener Atmosphäre verlaufen.

3. Das Schuljahr 1998/99

Für das kommende Schuljahr wurde die Weiterführung der Freiarbeit vereinbart. In den drei neuen 7. Klassen (also auch die Realschulklasse) wird Freiarbeit eingeführt, in den beiden 8. Klassen des Gymnasiums wird sie weitergeführt. Die Lehrerteams für diese fünf Klassen werden z. Z. zusammengestellt. Die Einführung des vernetzten, fächerverbindenden Unterrichts für diese Klassen ist in Vorbereitung. 4. Perspektiven für das Schuljahr 2001/02 Wenn die jetzigen 7. Klassen des Gymnasiums in die Sek. II kommen, muß auch der Unterricht in dieser Schulstufe verändert werden. Die positiven Erfahrungen anderer Gymnasien können dabei berücksichtigt werden.