Die Vision eines gelingenden Lebens

Schüler, Lehrer und Geisteswissenschaftler vernetzen sich

20 April 2008

 

Die Schülerinnen und Schüler des Grundkurses Religion g2rp der Jahrgangsstufe 12 unserer Schule arbeiten in einer Projektpartnerschaft sechs Wochen eng mit der Katholischen Jungen Akademie des Erzbistums Berlin zusammen. Im Mittelpunkt stehen Fragen der eigenen Lebensführung. Am Beginn ging es im April ein Wochenende ins Zisterzienserinnen-Kloster St. Maria in Helfta.

 

Ziel dieser prozessorientierten Form von Unterricht, die eine Weiterentwicklung der Freien Stillarbeit in den 7. und 8. Klassen und der Monatsarbeiten der 9. und 10. Klassen darstellt, ist das konzentrierte Kennenlernen wissenschaftlichen Arbeitens. Die Schülerinnen und Schüler erhalten die Möglichkeit an einem von ihnen selbst entwickelten und sie direkt betreffenden Forschungsgegenstand geisteswissenschaftliche Studien zu betreiben. Individuell begleitet werden die jungen Wissenschaftler bei ihrem Forschungsvorhaben von den Mitarbeitern der Jungen Akademie, Dr. Martin Knechtges, Indre Zetzsche, Jörg Schenuit und ihrem Religionslehrer Thomas Dicker.

 

Den Ausgangspunkt der Arbeit bilden die großen Lebens- und Sinnfragen, die auf die eigene Lebensführung abzielen: Wie kann und will ich mein Leben führen? Auf welche moralischen, ästhetischen und religiösen Fundamente kann und will ich mein Leben bauen?

 

Vom 18. bis 20. April 2008 wurden die Fragestellungen mit Hilfe der alternativen Lebensform eines Klosters konkretisiert. Über das Kennenlernen des Klosterlebens der Zisterzienserinnen in Helfta, was nach Michael Casey (Trappisten-Mönch in der australischen Abtei Tarrawarra in seinem Buch „Fremd in der Stadt“, St. Ottilien 2007) beinahe so etwas wie den Besuch in einem fernen Land mit seinen eigenen Sitten, Gebräuchen und einer eigener Sprache gleichkommt, konnten die Schülerinnen und Schüler ins Nachdenken über ihr eigenes Leben kommen.

 

 

Bis Mitte Juni reflektieren die jungen Erwachsenen ihre Fragestellungen in den Kategorien des Wissens und des Glaubens. In dieser Hauptarbeitsphase können die Schülerinnen und Schüler in Zusammenarbeit mit Geisteswissenschaftlern der Freien Universität und der Humboldt Universität geeignete wissenschaftliche methodische Mittel zur Bearbeitung ihrer Forschungsfrage erproben und anwenden, z.B. wie man Quellen recherchieren kann; wie man die Quellen einer kritischen Sichtung unterzieht; wie man im engen geistigen Austausch mit anderen Forschern Probleme löst oder neu formuliert; was es heißt, zugleich lebendig und präzise zu schreiben und mit seinen geistigen Exponaten an die wissenschaftliche Öffentlichkeit zu treten.

 

 

Den Abschluss bildet ein zweites Studienwochenende, auf dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Forschungsergebnisse ihrer persönlichen Studien präsentieren werden. Es schließt sich eine umfassende individuelle kritische Würdigung der Arbeiten durch die Betreuer der Akademie an, die sowohl die geisteswissenschaftlich-methodische Qualität wie auch die inhaltliche Fragestellung betrifft. Im Idealfall werden die Schülerinnen und Schüler den Wandlungsprozess von der leidenschaftlichen in die wissenschaftliche Neugier durchlaufen, der in ihnen den Funken der geisteswissenschaftlichen Forscherleidenschaft entzünden kann.

 

Artikel: Thomas Dicker

Bilder: Thomas Dicker und Sophia Ludden