Zu den diesjährigen Projekttagen hatte ich angeregt, die Mikroskopie als einen Aspekt mit einzubeziehen. Dass ich allein diese Thematik als interessant empfinden würde, war natürlich meine anfängliche Befürchtung. Doch diese erfüllte sich Gott sei Dank nicht. Es gingen zahlreiche Anmeldungen ein, sodass die Teilnehmer ausgewählt werden mussten, da nur zehn Plätze zur Verfügung standen.
Anvisierte Zielgruppe waren bei unserem Projekt die Schüler/innen der 6. Klassenstufe.
Die Vorbereitungen liefen bereits Wochen vorher an. Der Biologiebereich unterstützte mich insofern, dass den Kindern zunächst der Umgang mit den Mikroskopen näher gebracht wurde. So wurde bereits vorab die Technik erläutert und anschließend auch mikroskopiert. Dabei zeigte sich bereits, dass alle mit Freude bei der Sache waren.
Mein ausgehängtes, ankündigendes Plakat mit einem abgebildeten Mikroskop und dem Titel "Tauchfahrt in den Mikrokosmos" sollte neugierig machen.
Am ersten Projekttag stellten meine Frau und ich die einzelnen "Forscherteams" zusammen. Hierbei sollte immer ein Mädchen mit einem Jungen zusammenarbeiten, was einen nicht geringen Kulturschock auslöste, denn altersmäßig gibt es im Leben eines Mädchens wohl nur zwei absolut schlimme Dinge: Tomaten und Jungs. Später bleiben es manchmal die Tomaten! Nach kurzem Murren legte sich der erste Schreck. Die Zusammenarbeit verlief dann mit großer Selbstverständlichkeit.
Zielsetzung war, die "Forscher" auf selbstständiges Arbeiten einzustimmen. Hierzu wurden einzelne Fragestellungen an den Anfang gesetzt. So wollten wir herausfinden, warum eine Brennnessel brennt oder wie viele Blüten eine Butterblume hat. Die Teams sollten ihre Erkenntnisse zeichnen, wobei nur das dokumentiert werden sollte, was auch wirklich zu sehen war, nicht mehr und nicht weniger. Alle Teams konnten unter sich kommunizieren, um Erkenntnisse auszutauschen.
Nun gings es zunächst an die Probensammlung ins Fließ. Da wir uns auf die Brennnesseln und Löwenzähne stürzten, konnten wir mit Naturschutzgesetzen nicht kollidieren. Zurückgekehrt, ging es an die Untersuchungen.
Es wurde zunächst mit dem Auflichtmikroskop, anschließend im Durchlichtverfahren untersucht. Ich war selbst am allermeisten erstaunt, wie viele Details für spätere Lösungen ausgemacht wurden. Anschließend reichte ich, sofern erforderlich, in der späteren Diskussion der Erkenntnisse, fehlenden biologischen Background nach.
Auch die Teichwasseruntersuchungen, die wir am zweiten Projekttag durchführten, waren sehr erfolgreich. Meine Frau hatte bereits die Wasserproben komprimierend mit entsprechenden Verfahren aufbereitet, sodass die Untersuchungen unter dem Mikroskop immer Treffer waren. Eine Fülle von Lebewesen, Einzeller wie Mehrzeller konnten entdeckt und anschließend dokumentiert werden. Dass dabei auch Luftblasen als interessante "Objekte" erkannt wurden, tat dem Tatendrang keinen Abbruch.
Gerätemäßig standen uns dann jeweils fünf Leitz Durchlicht bzw. Auflichtmikroskope leihweise aus dem Oberschulbereich zur Verfügung, die doch leider etwas in die Jahre gekommen sind. Wohl ein weiterer Unterschied zwischen technischen Geräten und Wein, der mit zunehmenden Alter an Güte gewinnt.
Zusätzliche Arbeitsmittel, wie Pinzetten, Messer, Rasierklingen, Bechergläser, Fertigpräparate, Objektträger etc., standen für jeden Platz zur Verfügung
Am Abschlusstag, fand dann nachmittags die Präsentation statt. "Unsere" Teams stellten das Projekt den zahlreichen Besuchern vor.
Interessant war für mich die Erkenntnis, dass sich viele Besucher, Schüler wie Eltern, intensiv für die von uns bearbeitete Materie interessierten. Es wurde auch auffällig viel durch die Mikroskope geschaut. Anschließend wurde untereinander oder mit "meinen" Schülern über das Gesehene gefachsimpelt. Als "Forscher" muss man sich halt manchmal auch auf die "unteren" Ebenen der "Unwissenden" herabbegeben! Wobei nicht wenige bemerkten, dass man auch als Erwachsener viel lernen konnte.
Die Diskussionen waren von großem Sachverstand und Interesse geprägt.
Die Kinder jedenfalls schauten ziemlich stolz drein.
Bei unserer Verabschiedung sagte ein teilnehmender Schüler zu meiner Frau mit todernstem Gesicht: "Ich danke Ihnen für ihre Mühe, das Projekt hat mir wichtige Erkenntnisse vermittelt". Mir auch!
Lutz Hartmann April 2004