Klassentreffen der 1. Grundschulklasse von 1964

Mittwoch, den 21.April 2004, 8.30 Uhr.
Festgottesdienst in St. Martin zum 40.Jubiläum der Grundschule. 40 Jahre! Na, ja, in Oxford würde man über solche Zeiträume nur schmunzeln. Aber waren die dortigen Festbesucher auch bei der Gründung dabei? Aha! Klassenweise drängen sich die Grundschüler aufgeregt in den Bänken der Kirche. Dort sitzt auch unsere Tochter, jetzt 6. Klasse. Hat sich sinnvollerweise gestern noch, pünktlich vor dem heutigen, anschließenden Solidaritätswandern den Fuß verstaucht. Gutes Timing…

Der Festgottesdienst beginnt, es wird gesungen, Fürbitten werden vorgetragen, Pfarrer Weinges erklärt die Zeichnung, die über allem prangt, eine Sonnenblume mit 21 Blütenblättern, jedes steht für eine Klasse. Gemeinsam bilden sie die Pflanze Schule. Ja, die Schule braucht Sonne zum Gedeihen, schenkt aber dann den Menschen auch Freude. Schöner Vergleich denke ich. Die Gedanken machen sich selbstständig.

Es ist der 9. April 1964. Plötzlich sitzt ein kleines Mädchen - gerade mal sechs Jahre alt - in der ersten Klasse. Alles ist dabei, die Schultasche und natürlich die Schultüte. Die Eltern warten draußen. Schwester Magdalena begrüßt die erwartungsvollen Kinder der neuen 1b. Wahrscheinlich wird sie erzählt haben, dass jetzt ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Scheint so, denn so eine große mit Süßigkeiten gefüllte Schultüte gibt es ja nicht jeden Tag. Aber irgendwie bleibt es nicht bei der Schultüte, es wird auch gelernt, es werden Arbeiten geschrieben, mal gute Noten mal weniger gute. Schulgottesdienste, Sport...

Apropos Sonnenblume. Bei einer Schulaufführung war das kleine Mädchen später mal ein Gänseblümchen. Es wird wohl thematisch ähnlich, wie mit der Sonnenblume, gewesen sein. Da gießen die Großen, wahrscheinlich die aus der zweiten Klasse, damit die Gänseblümchen mal größer werden. Die Blumen müssen in die richtige Richtung gebracht werden usw., na ja, man kennt das!

Hat wohl nicht immer so geklappt, denn irgendwann war mal das Klassenbuch weg, der "Täter" stellte sich dann und musste vermutlich zwanzigmal aufschreiben, warum man nicht das Klassenbuch stiebitzen darf, selbst wenn da auch mal etwas Negatives drin steht.

Biologie hat das Mädchen später auch gern gemacht. Ach, da fällt mir ein, morgen am 22.3. und 23.3.2004 gestalte ich das Projekt Mikroskopie anlässlich der Projekttage 2004 in der Schule. Hast du auch nichts vergessen?

Jetzt singen wir gerade: "Möge die Straße uns zusammenführen". Und ich sitze jetzt nach über 40 Jahren hier oben und schaue, wie unsere Tochter gerade kräftig mitsingt. Lange Zeit, doch irgendwie auch nicht.

Das zeigte sich am Samstag, den 24. April 2004. Das Klassentreffen unserer ersten Grundschulklasse sollte steigen. Um 16 Uhr trafen wir uns in der Schule, unserer Schule. Mit meiner damaligen Schulfreundin waren ich zuvor klammheimlich auf dem Schulhof herumgestreift. Pst!

Als dann die ersten Klassenkameraden/innen eintrafen, gab es natürlich ein kräftiges Hallo. Bist du nicht der/die. Ja sie waren es! Fast 28 aus damals zwei Anfangsklassen hatten den Weg zu unserer "Magical Mystery Tour" gefunden. Komisch, die Zeit war vergangen, hatte aber doch nicht die Erinnerungen ausgelöscht. Es war fast so, als ob man morgens wieder vor der Schule wartete, damit der Hausmeister endlich die Tür öffnete. Man erkannte sich. Die Tür öffnete diesmal nicht der Hausmeister, es war Herr Mies, der jetzige Schulleiter, dazu gesellte sich Schwester Felizitas. Die Verbindung war sofort hergestellt, natürlich bei einigen auch deshalb, da die Kinder wieder die gleiche Schule besuchten oder noch immer dort anzutreffen sind.

Wir besichtigten den Schulhof, erinnerten uns daran, dass es dort früher mal einen Schulgarten gab, den wir betreuten und und und... Im Gebäude besichtigten wir unsere alten Klassenräume. Den unserer 1. Klasse kenne ich noch ziemlich gut von den Elternabenden unserer Tochter Sonja. Da haben wir nun beide gesessen und geschwitzt!!!

Abends trafen wir uns dann zum gemeinsamen Essen im "Hax'n Haus" in Tegel. Es war nicht nach dem Motto: mein Haus meine Yacht, meine Reitpferde. Es war einfach nur ein Zurückbesinnen. Obwohl die beruflichen Wege auseinander führten, waren wir geeint, fast so wie früher.

Es muss ein Dach über uns schweben, selbst noch nach so langer Zeit.


Hannelore Hartmann im Mai 2004