Besuch beim Froschkönig

Hallo, der 12. Mai 2004 war für die Kinder der Vorklasse von Frau Böhm sicherlich ein toller Tag. Warum? Nun, das muss ich erklären.

Ich wohne nämlich in einem See bei der Familie Hartmann in Hermsdorf. Und die wiederum kamen mal mit Frau Böhm ins Gespräch, da sich die Vorklassenkinder so ziemlich für alles interessieren, was mit der Natur zusammenhängt, also auch mit mir! Und da hat man dann wohl einen Besuch mit mir und meinen Freunden vereinbart, die ich manchmal sogar zum Fressen gern habe, naja, aber das ist ein anderes Thema.

Morgens rückte Frau Böhm mit einer Mutter zur weiteren Begleitung bei mir an. Die Kinder waren ziemlich aufgeregt und rannten mit ihren Becherlupen herum, immer auf der Suche, ob man am See etwas Besonderes näher betrachten könnte.

Und ob es bei mir viel zu sehen gab! Zwar nicht ganz so viel wie an einem Sonnentag, aber immerhin. Seeegel, Wasserläufer und, und und. Vorweg bekam Fr. Hartmann einen kleinen Frosch und eine Blume geschenkt. Die hat sich aber gefreut!

Als die Kinder die Treppe zum See herunterstürmten, kriegten meine Freunde und ich erstmal einen gehörigen Schrecken und sprangen vom Uferrand, wo wir uns gerade ausruhten, ins Wasser. Ich glaube, die Kinder haben auch einen Schreck bekommen, denn die hatten uns zunächst wohl gar nicht gesehen. Da schwammen wir nun alle im Wasser und guckten uns alle abwartend an. Plötzlich kam Frau Hartmann und bat mich mit einem Netz in der Hand, mal rauszukommen und mich den Kindern genauer vorzustellen. Ääh, das machte ich dann auch. Da saß ich nun auf der Hand und den Kindern wurde erklärt, dass alle Frösche die Augen versenken können, dass wir aus Kaulquappen entstehen und wir Jungs solche Schallblasen haben, mit denen wir die Mädchen zu beeindrucken versuchen.

Ach ja, denn jetzt kam das Beste. Frau Böhm fragte, wie der Frosch wohl heißen würde. Alle Kinder wussten meinen Namen, denn sie riefen alle im Chor: Der heißt Otto! Und schon stellten sich alle um mich herum auf und sangen das Lied vom Frosch Otto. Hat mir gut gefallen. Das war aber nicht alles, nö, nö!

Frau Böhm fragte jetzt die Kinder, wer denn so viel Mut hätte, den Frosch mal zu küssen. Klar, alle hatten die Geschichten gehört, dort macht es plötzlich 'peng' und herauskommt der schöne Prinz. Sollte das bei mir auch so sein? Da kamen schon zwei mutige Jungs, die küssten mich und es kam noch viel doller, die anderen - oder fast alle - machten das auch! Jetzt muss ich aber viele enttäuschen. Ich bin zwar sicher etwas Besonderes, aber ein Prinz? Nö, das will ich gar nicht sein! Ich fühle mich hier im See so richtig wohl und will mit keinem Königssohn der Erde tauschen. Immer nur auf so einem Thron sitzen? Da schwimme ich lieber hier im See herum und quake, wenn ich mal lustig bin.

Dann sagten wir tschüss, denn Frau Hartmann hatte für die Kinder noch ein Leckeis. Ach da war ich aber froh, dass ich das nicht auch noch kosten musste. Ich jedenfalls hätte den Kindern lieber ein paar von meinen leckeren Würmern angeboten. Irgendwie hatte ich aber den Eindruck, dass denen das Eis doch besser gefallen hatte.

Aber ein bisschen traurig war ich beim Abschied, denn wer besucht mich im nächsten Jahr? Ich werde die Kinder der Vorklassen sehr vermissen.


Aufgeschrieben hat meinen Bericht für mich:
Hannelore Hartmann, Mai 2004