Ziele
Seit etwa 5 Jahren beschäftigen
sich viele Kolleginnen und Kollegen an der Salvatorschule mit Unterrichtsformen,
die neben dem herkömmlichen Frontalunterricht das selbsttätige
und eigenverantwortlich handelnde Lernen der Schülerinnen und Schüler
- einzeln und in Gruppen - und eine möglichst ganzheitliche Betrachtung
der Unterrichtsgegenstände in den Vordergrund rücken. Hierzu
dienen die Freie Stillarbeit (FSA), die Vernetzten Unterrichtseinheiten
(VU) und die Monatsarbeiten (MA) von der 9. Klasse an.
Planung und Ablauf
In mehreren Durchläufen wurden
gute Erfahrungen mit der Unterrichtseinheit "Entdecker und Eroberer" gemacht,
die nach folgendem Schema organisiert wird: In einer Jahrgangskonferenz
vereinbaren die Kolleginnen und Kollegen, die in den Fächern Deutsch,
Geschichte, Religion, Erdkunde, Kunst und Musik unterrichten (Auch andere
Fächer können integriert werden.), dass sie für einen Zeitraum
von etwa vier bis fünf Wochen ihren Unterricht auf ein gemeinsames
Thema ausrichten. Hierfür wurde folgende inhaltliche Struktur entwickelt:
Nach
einer Ideensammlung zu diesem Thema in den Klassen werden die Ergebnisse
in einer gemeinsamen Veranstaltung aller 7. Klassen in der Aula ausgetauscht.
Dann beginnt in den beteiligten Fächern der Unterricht, wobei ein
enger Austausch über Inhalte, Verlauf und Ergebnisse zwischen den
Kolleginnen und Kollegen der beteiligten Fächer notwendig ist. Alle
Arbeitsergebnisse der Schülerinnen und Schüler zu diesem Thema
werden in einem Hefter gesammelt, der bei einem Abschlussfest für
die Einheit für Eltern, Mitschüler und Gäste ausgelegt wird.
Auf diesem Abschlussfest werden die Ergebnisse der Arbeit in den einzelnen
Fächern von den Schülerinnen und Schülern dem Publikum in
Vorträgen und einer Ausstellung präsentiert.
Schüleräußerungen nach dem Abschlussfest 1)
- zur Arbeit (schriftlich)
Irina:
"Man
konnte ein Hauptthema aus verschiedenen Sichten bearbeiten und hat so viel
mehr erfahren ... und man musste sich nicht jede Stunde auf etwas Neues
konzentrieren. Es war einfach schön, sich in eine Sache hineinleben
zu können, damit zu arbeiten und es richtig auszubreiten. Gut fand
ich auch, dass wir manche Aufgaben auch in Gruppen gemacht haben."
Janine: "Ich habe gelernt,
wie man sich seine Zeit richtig einteilt. ... Die ganze Arbeit ... hat
viel Spaß gemacht."
Lukas K.: "Ich habe gelernt,
dass, wenn man sich nur auf ein großes überfassendes Thema konzentriert,
viel mehr lernt, entdeckt und sich auch in seinem Privatleben damit beschäftigt.
Wenn ich etwas präsentieren möchte, habe ich mehr Ehrgeiz um
es schöner zu machen."
Melanie:
"Mir hat die Einheit sehr gefallen, weil es mir Spaß gemacht hat.
Es war nicht so langweilig wie manchmal nur normaler Unterricht. Da schreiben
wir meistens nur und in letzter Zeit konnten wir arbeiten wie, wir wollten.
... Man musste selbstständig arbeiten und so lernt man auch besser.
Dadurch wurde es einfach interessanter."
Lukas W.: "Ich habe gelernt,
mir die Zeit mit dem Hefter einzuteilen. ... Außerdem war es gut,
dass man viel mit seinen Mitschülern zusammengearbeitet hat. Sehr
gut war auch, dass man oft wählen konnte, was man machen kann."
Thomas: "Auch das Vorbereiten
und Führen des Hefters fand ich gut, weil der Hefter zur Präsentation
ausgestellt werden sollte."
Olga: "Ich habe auch gelernt,
Sachen schnell und ordentlich zu machen, damit ich es zu Hause nicht noch
einmal überarbeiten muss."
Sophie: "Spaß hat
es mir gemacht, dass wir einen Hefter für alle Fächer gestaltet
haben. ... Und dadurch, dass sich jedes Fach mit dem gleichen Thema beschäftigte,
konnte man sich alles besser merken."
Lukas
Z.: "Ich habe einige Leute aus der Klasse ganz anders kennengelernt."
Philipp: "Ich würde
so etwas gerne mal wieder machen."
Lisa H.: "Ich denke, die
vernetzte Unterrichtseinheit hat viel gebracht und hat uns beigebracht,
miteinander und nicht alleine zu lernen, zu arbeiten und zu organisieren."
- zum Abschlussfest (schriftlich)
Larissa: "Ich hatte Angst
davor, vor 200 Leuten etwas vorzutragen, aber als ich dann vorne stand,
hat es sogar Spaß gemacht!!!"
Daniel: "Ich habe gelernt,
dass es nicht schlimm ist, wenn ich aufgeregt bin und Fehler mache, weil
alle aufgeregt sind und auch Fehler machen."
Hanna: "Ich
habe gelernt etwas ziemlich ruhig vorzutragen und dass die Zuhörer
einen nicht auslachen, wenn man einen Fehler macht."
Lukas W.: " Wir haben gesehen,
wie man Dinge auf gute Weise darstellen kann.
-
Kritik (Notizen aus dem Gespräch)
"Auf die Wünsche der Schüler
in der Eröffnungsveranstaltung wurde gar nicht eingegangen."
"Die Absprachen der Lehrer untereinander
klappten nicht so richtig. Immer wieder kam Columbus vor!"
"Es ging immer nur um Amerika.
Es gibt doch auch anderes Interessantes."
"Es war ganz schön viel Arbeit.
Und dann mussten auch noch Arbeiten in Mathe, Englisch und Französisch
geschrieben werden."
Fazit aus Lehrersicht
Es ist ein Haufen Arbeit: die
Planung (Zum Glück können wir inzwischen auf einen Planungs-
und Dokumentationsordner für diese Einheit zurückgreifen.), die
Konferenzen, die ewigen Absprachen untereinander, das Drängeln, damit
der Terminplan eingehalten wird und das Abschlussfest nicht kurzfristig
verschoben werden muss, die
Planung
für das kalte Buffet und den Grill, der Aufbau der Ausstellung, das
Fest und zum Schluss das Aufräumen (und dann auch noch diese Nachbereitung
für Sie, lieber Leser). Aber es lohnt sich immer wieder. Je näher
der Präsentationstermin rückt, desto stärker sind die Schülerinnen
und Schüler auf die Fertigstellung ihres Hefters und ihrer Arbeiten
konzentriert und wollen alles möglichst schön machen. Am Festabend
gibt es dann einen viel schöneren Lohn für die Arbeit der Kolleginnen
und Kollegen als Geld: Eltern freuen sich über die Arbeiten und Präsentationen
ihrer Kinder - und sie sagen es auch. Schülerinnen und Schüler
bekommen keine farblose 1 oder 2 vom Lehrer, sondern Applaus aus einer
gefüllten Turnhalle und anerkennende Worte und das Gefühl echter
Anerkennung ihrer Leistungen. Das ist es doch wirklich wert - oder?
1) Nicht jede Schülerin
und jeder Schüler wird seinen Namen hier wiederfinden. Viele Äußerungen
wiederholten sich.