DDR-Propaganga

Nach dem Mauerbau am 13. August 1961 musste die DDR-Führung ihren Bürgern glaubhaft erklären, warum dieser Schritt vernünftig und notwendig gewesen sein sollte. Zu diesem Zweck startete der DDR-Rundfunk eine Propaganda-Offensive, die - was Intensität und Geschmacklosigkeit angeht - in der deutschen Nachkriegsgeschichte ihresgleichen sucht. In den Medien der DDR wurden die Maßnahmen des 13. August als gelungener Überraschungsschlag gegen die "westlichen Aggressoren" gefeiert. Besonders attackiert wurde auch Willy Brandt, der damals Regierender Bürgermeister von West-Berlin war.
 
Konrad Adenauer in Hitlers Position
Konrad Adenauer in Hitlers PositionKonrad Adenauer steht anstelle von Adolf Hitler auf dessen Podest und hält eine Rede. Dabei trägt er eine amerikanische Flagge. Diese Karikatur soll den Westdeutschen Kanzler als Handlanger des amerikanischen Imerialismus darstellen. 

Doch bereits vor dem Mauerbau belog die DDR-Führung ihre Bürger in dieser Frage, als erste Gerüchte bezüglich eines bevorstehenden Mauerbaus auftraten. Berühmt geworden ist wohl das Zitat Walter Ulbrichts, das hier im Wortlaut aufgeführt ist :

  "Ich verstehe Ihre Frage so, daß es Menschen in Westdeutschland gibt, die wünschen, daß wir die
   Bauarbeiter der Hauptstadt der DDR mobilisieren, um eine Mauer aufzurichten. Mir ist nicht bekannt, daß
   solche Absichten bestehen, da sich die Bauarbeiter der Hauptstadt hauptsächlich mit Wohnungsbau
   beschäftigen und ihre Arbeitskraft voll eingesetzt wird. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu
   errichten."
    (Walter Ulbricht auf einer internationalen Pressekonferenz am 15. Juni 1961)
 
 
Das Bild soll den Weltpolizisten Amerkika zeigen, der sich an der roten (=kommunistischen) Erde die Füße verbrennt

In dem Beschluss des DDR-Ministerrats vom 12. August 1961 wird der Mauerbau als notwendig zu Erhaltung des Friedens gerechtfertigt. Außerdem wird der Bundesrepublik revanchistisches und militaristisches Verhalten vorgeworfen. Die Bonner Politik sei die Fortsetzung der "aggressiven Ziele des faschistischen deutschen Imperialismus zur Zeit des Dritten Reiches". Die BRD sei ferner ein "Satellitenstaat" der Vereinigten Staaten.
 
DDR-Karikatur zum US-Imperialismus Diese Karikatur aus der DDR soll "imperialistische" amerikanische Soldaten zeigen, die deutsche Beutekunst stehlen und amerikanische Produkte, wie Coca-Cola oder Lucky Strike-Zigaretten nach Deutschland einführen.

Außerdem wird der BRD vorgeworfen, in West-Berlin die Bestimmungen des Potsdamer Abkommens gebrochen zu haben, obwohl es ein völkerrechtlich verbindliches Abkommen dort nie gegeben hat. Die Bundesrepublik plane sogar einen Bürgerkrieg zu dem Zweck, ganz Deutschland dem Machtbereich der NATO einzugliedern. West-Berlin wäre dabei eine Speerspitze im Fleisch der DDR. Militärisch wäre es natürlich absurd, von einer Enklave, wie sie West-Berlin darstellte, einen Flächenstaat, wie die DDR anzugreifen.
 
Titel eines Propagandaheftes, das kurz nach dem Mauerbau herausgegeben wurde.

Die SED gab ein Propagandaheft mit dem Titel "Da schlug's 13" heraus, in dem der Mauerbau als Sieg der Arbeiterklasse über den revanchistischen Westen gefeiert wurde. Es sollte wohl eben diese Arbeiterklasse ansprechen und sie von den positiven Aspekten der Mauer überzeugen :

"Am 13. August 1961 haben die friedliebenden Berliner eine Schlacht um den Frieden gewonnen. Die Kampftruppen der Berliner Arbeiterklasse setzten der Wühltätigkeit der in Westberlin stationierten Agentenzentralen, Menschenhändler und Revanchistenorganisationen gegen die DDR gemeinsam mit den Genossen der Nationalen Volksarmee und den Genossen der Deutschen Volkspolizei in der Hauptstadt der DDR ein Ende. "

Auch mit Angriffen an die Adresse Westberlins, der Bundesrepublik und Amerika wurde nicht gespart :

"Geschlagen wurden die Kräfte des Krieges und der Reaktion. Der Sieg wurde errungen von den liebenden Deutschen, von den guten Deutschen, über die Bonner Ultras und deren Handlanger in Westberlin. Gescheitert ist die Kriegspolitik der USA. Wir sagen: "Ami, go home".  "

Selbstverständlich sprach die Propaganda vom Willen des Volkes, obwohl nur wenige den Maßnahmen wirklich zustimmen. Die meisten durchschauten die Versuche des Politbüros, das Einsperren des Volkes als positiv darzustellen.

Der Schwarze Kanal

Ein wichtiges Propagandeinstrument des DDR-Fernsehens war "Der Schwarze Kanal". Eine Sendereihe, die wöchentlich von
März 1960 bis Oktober 1989 insgesamt 1.519 Mal ausgestrahlt wurde. Die als Magazin angelegte Sendung war als polemische Konterpropaganda gegen die Medien des Westens konzipiert und sollte die Verlogenheit der westlichen Politik am Beispiel des Westdeutschen Fernsehens entlarven. Die Sendung wurde maßgeblich durch die Redaktion und Moderation des Chefkommentators des DDR-Fernsehens, Karl-Eduard v. Schnitzler, geprägt. Der Sendeplatz war ursprünglich gut gewählt: Montags, nach Aktueller Kamera und dem allseits beliebten UFA-Montagsfilm mit Hans Moser, Theo Lingen oder Marika Rökk, flimmerte das Magazin von 21:30 zwanzig bis dreißig Minuten über die Bildschirme. Damit demonstrierte das Fernsehen der DDR mit seinem Chefkommentator von Schnitzler die dem Schwarzen Kanal beigemessene Bedeutung.
 
Karl Eduard von Schnitzler am 30.10.1989, bei der 1519. und letzten Sendung des Schwarzen Kanals. 

Der Sendeablauf war immer ähnlich: Zuerst stimmte von Schnitzler, verantwortlicher Redaktuer und Kommentator, nach dem
Vorspann die Zuschauer mit allgemeinen Kommentaren, aber auch gezielten Beurteilungen der Ereignisse der vergangenen Woche, auf die jeweilige Sendung ein. Dann folgten mehrere Filmbeiträge, die in der Regel Ausschnitte aus ARD- und ZDF-Sendungen (wie z.B. des Internationalen Frühschoppen, des Auslandsjournals oder Kennzeichen D) enthielten und meist aus dem Off kommentiert wurden. Dabei folgte die Sendung einem bestimmten Schema: Die Filmbeiträge, oft verkürzt oder neu geschnitten, wurden nicht selten in ihren Aussagen verändert oder ganz aus dem jeweiligen Zusammenhang gelöst. Vom Konzept her sollte also der Schwarze Kanal die Verlogenheit der westdeutschen Medien entlarven und mit eigenen Mitteln schlagen.




Katholische Schule Salvator - Projekt im Fach Politische Weltkunde
Referat von : Andreas Wiese