Fluchtgeschichten aus der DDR in die BRDFlüchtlingsstrom und MauerbauDie Westmächte konnten, entgegen den Hoffnungen vieler Aufständischer, nicht eingreifen, ebensowenig wie 1956 in Ungarn und 1968 in der Tschechoslowakei, als sich ähnliches wiederholte. So schwoll der Strom derer, die seit Kriegsende den sowjetisch besetzten Teil Deutschlands verließen stark an. Von 1949 bis Ende 1952 waren rund 675.000 Personen geflüchtet. Allein 1953 kamen über 330.000 hinzu. Bis zum 13. August 1961 hatten rund drei Millionen Menschen das Gebiet der DDR verlassen. Die Hälfte der Flüchtlinge war unter 25 Jahre alt, 60 Prozent waren im arbeitsfähigen Alter. Da es sich zumeist um jüngere und qualifizierte Personen handelt, hat die Fluchtwelle verheerende Auswirkungen auf die Wirtschaft und Versorgung in der DDR. Die Grenzen zur Bundesrepublik erwiesen sich inzwischen als immer schwerer passierbar. Berlin aber blieb unter dem Schutz des ,Vier- Mächte-Status" eine offene Stadt. 1960 aber waren es 200.000. Gerüchte über eine völlige Sperre der Grenze trieben immer mehr Menschen zur Flucht, 30.000 allein im Juli 1961.Am frühen Sonntagmorgen des 13. August 1961 wurde an den Verbindungsstraßen nach Berlin (West) das Pflaster aufgerissen. Aus Pfählen, Stacheldraht und Gräben entstand entlang der Sektorengrenze zwischen Ost- und West-Berlin eine provisorische, scharf bewachte Absperrung. Wenige Tage später begann der Bau der Mauer quer durch Berlin. Auch die DDR-Grenze nach Berlin (West) und zur Bundesrepublik wurde zum kaum noch zu überwindenden ,,Antifaschistischen Schutzwall" ausgebaut. Die Regierung unter Walter Ulbricht wollte damit die immensen Flüchtlingsströme eindämmen und den drohenden wirtschaftlichen Zusammenbruch der DDR verhindern. Am stärksten traf die Berliner auf beiden Seiten der Mauer die Zerschneidung zahlloser familiärer Bindungen. Erst zur Jahreswende 1963/64 kam es nach 28 Monaten völliger Trennung zu einem Passierschein-Abkommen: Auf etwa 1,2 Millionen Menschen (einschließlich eines erheblichen Anteils von Mehrfach-Besuchen) schätzte der damalige Regierende Bürgermeister, Willy Brandt, die Zahl derer, die binnen 18 Tagen die Sektorengrenze nach Osten passiert hatten, um ihre Verwandten zu besuchen. Für die Zeit bis Mitte 1966 konnten dann drei weitere ähnliche Vereinbarungen für sieben ,,Besuchszeiträume" getroffen werden. Insgesamt wurden 4,3 Millionen Besucher registriert. Dazwischen und danach waren nur noch Besuche in ,,dringenden Familienangelegenheiten" möglich, weil die DDR Zugeständnisse forderte, die nach westlicher Ansicht den bestehenden Berlin-Status in Frage gestellt hätten. Dennoch haben nach dem 13. August 1961 bis 1986/87 etwa 39000 Menschen aus der DDR und Ost-Berlin die Sperren in und um Berlin überwunden, die meisten 1961/62, als es noch nicht die perfektionierte ,,moderne Grenze" gab. Mindestens 73 Menschen verloren bei solchen Fluchtversuchen ihr Leben. Die Zahl der durch Schüsse, Verletzten und die Zahl der Festgenommenen ist unbekannt. 166 Kilometer lang sind die Sperranlagen um Berlin (West), 46 Kilometer davon liegen {wo?}. Beispiele für Fluchten in PKWs Wer der SED-Diktatur entfliehen wollte, vertraute sich mitunter kundigen
Helfern an, die etwa von West-Berlin aus Tunnel unter die Mauer gruben.
In den siebziger Jahren organisierten Fluchthelfer Schleusungen über
die Transitstrecken. Ihre Motive reichten von selbstloser Hilfsbereitschaft
bis zum Abenteurertum. Für einige war Fluchthilfe ein "Job" und hauptberufliche
Erwerbsquelle. Im Jahre 1972 trat das Transitabkommen zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und der DDR in Kraft. Daraus ergaben sich neue Kontroll-und
Sicherungsaufgaben für das MfS. Mit großem Personalaufwand wurden
"Vorkommnisse" auf der Autobahn registriert. Jegliche Treffs, Kontaktaufnahmen,
Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Bürgern anderer Staaten und
Warenübergaben galt es zu erfassen. Vor allem aber kam es darauf an,
Fluchtversuche zu verhindern. Die Abteilung setzte an Autobahnanschlussstellen
häufig "fahrende Beobachtungsstützpunkte" ein. Zusätzlich
waren Inoffizielle Mitarbeiter (IM) mit der Kontrolle
beauftragt. Verpflichtet wurden vor allem Verkehrsüberwacher, Kellner
in Raststätten, Tankwarte und Kraftfahrer im grenzüberschreitenden
Verkehr. Zur "Hinterlandabsicherung" der Transitstrecke kamen IM aus dem
Umland zum Einsatz. Diese IM hatten die Aufgabe, Abweichungen von der Transitstrecke
und Kontaktaufnahmen sowie die Übergabe von Gegenständen zu registrieren
und dem MfS zu melden. Bei der Transitüberwachung kooperierte das
MfS mit der Verkehrskontrollgruppe Transit (VKGT) und der Deutschen Volkspolizei
(DVP).
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